Wie schon im ersten Bericht versprochen möchte ich nun etwas detaillierter eingehen auf die im C658 integrierte Möglichkeit der Raumeinmessung/Anpassung mittels DIRAC.

DIRAC ist ein Unternehmen in Uppsala, Schweden mit Büros und Forschungsabteilungen in – nona – Shenzen und Shanghai. Ziel ist es Unzulänglichkeiten von Musikwiedergabe in Räumen oder Automobilen zu verbessern, und „to deliver best possible listening experience“.

Wie wird das gemacht?

Um die Filter zur Verbesserung der räumlichen Darstellung zu erzeugen wird zuerst einmal eingemessen. Dazu hat der C658 von NAD sogar ein Messmikrophon im Lieferumfang dabei, das einfach an den USB Eingang an der Rückseite gesteckt wird. Die Software zum Messen kann man sich kostenlos von Dirac.com holen für PC und Mac; für iPhone, iPad oder Androiden gibt es diese natürlich im App Store der jeweiligen Plattform. Nachdem Messungen rechnet die Software daraus ein Filter, das wiederum in den Vorverstärker geladen wird. Ab dann ist es in den Audio-Einstellungen auswählbar.

Aber kommen wir nochmal zurück zu den Messungen. Etwas ausführlicher diesmal.

Breit und Nichtraucher-Klangbild.

17 Messpunkte mal 4 Messungen

Um die Abbildung zu optimieren wählt man vor der Messung die Hörsituation aus: Sind es mehrere Personen, die daran teilnehmen wollen und für die der Klang „in etwa“ auf einem Sofa sitzend – egal ob weiter links oder rechts – passt? Oder sitzt eine Einzelperson GENAU auf einem Platz und rührt sich nicht von der Stelle. Deshalb heisst das schon länger „Nichtraucherplatz“, weil hin und her mit dem Kopf wäre schon ein anderer Klang.

Beeinflußt wird die Messung/Berechnung natürlich von den Reflexionen im Raum, dem Abstand zu den Wänden, aber auch zu den Lautsprechern selber. Dazu werden Messungen am zentralen Hörpunkt, aber auch an Würfelförmig angeordneten Positionen links , rechts, oberhalb, unterhalb , vorne und hinten aufgenommen . Für Fixhörpunkt 9 Messungen , breite Wiedergabe erfordert sogar 17 Messungen; jeweils Sweep von 20 Hz bis 20 kHz in großer Lautstärke – um genügend Abstand zu Hintergrundlärm zu haben – linker Lautsprecher, rechter Lautsprecher, Subwoofer, und wieder linker Lautsprecher. 17 mal ! Die Nachbarn sind entweder Meßtechnikfans oder angefressen.

Fragen über Fragen schon bei der Messung

Das DIRAC Verfahren kann man mit dem NAD C658 oder anderen Geräten zwar kostenlos anwenden, allerdings wird dann nur von 25 Hz bis 500 Hz ausgewertet. Also Raumprobleme der größeren Ordnung, im Bassbereich. Mit Lizenz um 99.- € kann man den Bereich von 20 Hz bis 20 kHz nutzen. Bedenkt man die Tatsache dass alle Frequenzen 68 mal gesweeped werden, dann aber ein großer Teil gar nicht verwendet wird, drängt sich die Frage auf warum sweeped man nicht gleich nur 25 – 500 Hz oder etwas drunter und drüber, aber nicht die nervige Mitte 68 mal umsonst?

Die von der Software angebotene Möglichkeit das Mikro am Computer anzuschliessen , hat bei mir auch nicht geklappt; erst als das Mikro direkt am NAD dran war, wurde der Pegel richtig erkannt und gemessen. User Information kann noch verbessert werde, obwohl die grafische Aufbereitung bereits erstklassig ist. Uns als Audiophileinteressiert aber natürlich ganz was anderes:

Wie klingt DIRAC, besser oder schlechter als ohne.

Ich gestehe, dass ich diesmal recht lange gebraucht habe um zu einer fundierten persönlichen Conclusio zu kommen . Auch habe ich mir zur Sicherheit Freunde eingeladen, deren Urteil ich sehr schätze, und deren „Hinhör-Vermögen“ durch Jahrzehnte lange Beschäftigung mit HiFi gut ausgebildet ist.

Der erste Eindruck bei der Festplatz Messung war sehr positiv, mein Hörsessel steht neben dem zentralen Sofa und daher fast vor der rechten Lautsprecherbox, viel weiter entfernt von der linken. Mit DIRAC war das räumliche Geschehen wieder dort am Platz, wo es beabsichtigt war vom Tonmeister. Links und rechts klangen penibel aufgefächert von links nach rechts , Raum ebenfalls gut gestaffelt . Auch meine Freunde waren vom Ergebnis zuerst sehr positiv angetan.

Interessant auch, dass das Ergebnis für alle Qualitäten galt , also vom Internetradio oder MP3 file mit mittlerer Qualität bis zum 2L „perfect sound track“. ABER: Die Leichtigkeit war verschwunden, die Luftigkeit eingeschränkt. Mein Eindruck ist am besten mit folgendem Bild beschrieben: Stellen sie sich einen Chor junger Musiker vor, die – ohne DIRAC – locker und frei auf der Bühne stehen und mit Herzenslust singen. Dann kommt der Lehrer – DiRAC- , pfeift alle zusammen und vergattert sie auf die jeweils vorgeschriebene Position. Somit steht nun jeder an seiner Stelle, aber mit steifem Nacken und angespannter Brust.

Exakt – Wide – Ohne

Ändert man das Filter von genauem Hörplatz zu breiter Hörzone, kehrt die Luftigkeit teilweise zurück, aber natürlich verliert man die Genauigkeit der Ortung von links nach rechts . Damit stellt sich die Frage: Will ich exakte Positionen haben ohne Luft rundherum, oder eher mehr freies Atmen und weniger Genauigkeit; oder gar einfach alles so wie im Original auf meinen Platz eben. Ich habe mich ja schon in meinen ersten Beiträgen hier und hier mit Raumkorrekturen beschäftigt. Auch in meinem KIII Bericht beschreibt, dass ich zu viel DSP Kontrolle nicht mag. Obwohl ich kürzlich die aktuelle KIII in der Kopfhörerboutique gehört habe und schon viel mehr angetan war als zu Beginn.

Für mich ist DIRAC nichts was mein Wohlbefinden vergrößert. Die Aussicht mit 99.- Euro den ganzen Freuquenzbereich „überarbeitet “ zu bekommen, scheint mir nicht attraktiv. Da widme ich mich lieber anderen Geräten, sobald mein Budget wieder etwas aufgebessert ist. Dafür gibts , wie ihr vielleicht bemerkt habt rechts, sogar einen eigenen Sparschweinknopf 😉

Und demnächst schreibe ich dann über externe Subwooferverstärker. Stay tuned.

Nachtrag:

Wie es sich gehört hier noch eine Playliste dazu, mit Titeln die sich als interessant bei der Hörsession gezeigt haben.

Nils Lofgren, immer gut aufgenommen live auf der Bühne , als Kontrast dazu gleich der sensationelle Studiotrack von Tom Misch mit den wunderbaren Klangfarben der Drums von Yussef Daynes. Zwei fette Bassnummern liefern Massive Attack und Photek, da hört man den Einfluß auf die Baßverteilung im Raum mit Dirac. Altspatzennummer von Zager und Evans als Test der 70er . Auch Österreichisches muss immer wieder her zum probieren, besonders wenn es gute Aufnahmequalität mitbringt. Future Pop von der neuen Marie Lang Remix-EP als Beispiel komplexer Sounds mit (wunder)schöner Stimme ( ja, ich bin befangen in dem Fall 😊 ). Kinosound mit oder ohne große Bühne, entscheidet selber so ihr DIRAC testen könnt. Den Namen Tineke Postma muss man sich nicht nur wegen „Parallax“ merken. Kontrabass der den Raum füllt, nie gleichmässig obwohl repetitiv. Check it out. Zur Beruhigung noch etwas „Easy Listening“ von London Grammar. Hej Do.