Es gibt auch für langjährige HiFi-Liebhaber immer wieder Momente des Staunens, der Neu-Entdeckung und vor allem der Bewunderung. Manchmal hat man das Glück dazu eingeladen zu werden, so wie es mir wiederfahren ist kürzlich. „Das sollten sie unbedingt hören“ war die einfache und – wenn der oft bewährte Nuggetfinder Bernhard Mesicek der Anrufer ist – unwiderstehliche Botschaft. Noch spannender wenn man den Namen des Herstellers noch nie gehört hat. Lejonklou, nicht aus Frankreich sondern Uppsala in Schweden. Ein relativ junger Entwickler der mit Linn und Naim aufgewachsen und daher von Anbeginn der Musikalität verfallen war.

Leonklou Boazu Verstärker

Weiterer Teaser: Nach zwei Monoblöcken und einem Dual-Mono (sic!) Vorverstärker wollte er seine Qualität auch in einem etwas preisgünstigeren Vollverstärker verwirklichen. Und dass Herr Lejonklou keine Scheu vor radikalen Lösungen hat, zeigt der erste Anblick des „BOAZU“ getauften Integrated Amps. 3 Tasten schmücken die Front, + und – zum Regeln der Lautstärke und MUTE. Aus! Kein Regler zum Drehen, keine Eingangswahlschalter, gar nix dergleichen! Dabei hat der BOAZU vier Auxeingänge. Pro Seite, denn klarerweise für Lejonklou ist das Gerät ebenfalls streng Dual Mono gebaut.

Rückseite Boazu Leonklou

4 mal Eingang, 1 mal Lautsprecher, zweimal

Beim Weglassen klangverschlechternder Komponenten und Signalwege wurde nämlich ein neuer Weg gewählt, alle 4 Eingänge sind zusammengeführt und daher „always on“ und müssen/können so nicht umgeschaltet werden. Am Ausgang liegen bis zu 40 Watt pro Kanal, wie es sich herausstellte genug um auch relativ leistungshungrige Lautsprecher wie die große Manger zu bespielen. Und wie!

Ich gestehe es passiert nicht oft, dass schon die erste Platte das Lächeln ins Antlitz holt, aber beim Lejonklou BOAZU war genau das der Fall. Klarheit ist ein Hilfsausdruck für die geradezu endlose Räumlichkeit des BOAZU-Klangs, dem gleichzeitig jede Härte oder Schärfe fehlt, solange sie nicht gefordert wird vom Musiksignal. Autorität und geradezu muskulöse Kontrolle des Tiefbassbereiches, von ungewohnter Sauberkeit und Trennschärfe gleichzeitiger Tiefbassevents , wie etwa dem unteren Register von Patricia Barbers Klavier im Zusammenspiel mit dem Kontrabass auf „Blackbird“. Druckvoller geht „Children of Sanchez“ kaum, selbst bei großer Lautstärke, und hier würde niemand 40 Watt am Werk vermuten. Ja klar, Metalhammerfetischisten und Headbanger könnten mit dem BAZOU an die Grenze stoßen, aber die würden auch die Feinstrukturen nicht schätzen, die hier offen gelegt werden. Nüchtern bis ins kleinste Detail, aber gleichzeitig von einer Farbigkeit und Klangopulenz, die z.B. Milos Karadaglic Lautengitarre zum Weinen schön erklingen lassen. Und bei „My Favorite Things“ von Frau Youn Sun Nah hört man nicht nur die Metallzunge ihres Afrikanischen Daumenklaviers, sondern auch das Holzkistchen des selben. Atemberaubend.

Lejonklou

Sinnbild für die Einfachheit – Die Fernbedienung

Nun gut, mit Kabeln um den mehrfachen Preis des Verstärkers und perfekt eingestellt von Mister Allegro klingt jede Aufnahme überzeugend, wie wäre das aber im Wohnzimmer zu Hause? Zweiter Testdurchlauf also beim HighEnd Kumpan, der mit allem was NAIM an Vor-Endverstärker und Zusatznetzteilen zu bieten hat seine Russel K Boxen R 150 betreibt. Auch hier kann der 3000.- Euro teure BOAZU auf Anhieb die anwesende Schar von Experten mit seiner Räumlichkeit und Durchsicht überzeugen. Interessant die Tatsache, dass hier die Polung des Netzsteckers deutlich zwischen richtig und verkehrt entscheidet. Auch die erste halbe Stunde muss gewartet werden, bis die Sonne so richtig aufgeht und in aller Schönheit strahlt. Die Bassmächtigen Russel K sind voll im Griff des BOAZU, rollender Bass wie etwa die große Surdo Trommel bei der Misa Criolla tut das gepflegt wie selten. Dass die NAIM Kombi vielleicht noch einen Hauch harmonischer klingt, darf bei einem Preis Unterschied von 400% durchaus als erwartbar gebucht werden, in Sachen Durchhörbarkeit und „Air around the instrument“ gewinnt Lejonklou allerdings sicher.

Wenn schon denn schon, aller guten Dinge sind 3, also muss der junge Schwede seine Qualität noch an alten Schweden beweisen, und zeigen wie er mit meinen Rauna Ymer Lautsprechern aus dem Hause Opus 3 zurecht kommt. Deren serielle Frequenzweiche und legendär offenen Mitten passen gut zum Testen feiner Mikrostrukturen. Sagte ich schon das Wort „Natürlichkeit“, und „Luftigkeit“? Hab ich erwähnt, dass die Musik für mich noch nie so aus dem schwarzen nichts aufgetaucht ist wie diesmal?

Und vor allem: Dreht man die Lautstärke stark nach unten bleibt ALLES vorhanden, jedes feinste Zwirbeln der Besen, der Farbrausch eines gehämmerten Pianos, das Holz der Klarinette, nichts geht verloren. Noch eine Entdeckung: Nie zuvor hat OE1 in DD Qualität aus der UPC Box so überzeugend geklungen, die neuen Signations klingen offen und präzise (jedoch leider immer noch überzüchtet, aber das ist eine andere Geschichte).

Ist der Lejonklou BOAZU also der neue Wunderwuzzi? Nein, dafür fehlt ihm für Hardrockbuddies das letzte Quentchen Gewalt. Das fehlen eines Balancereglers hat mich ein paar Mal genervt, ebenso die doch mannigfaltigen Hinweise zur Vorsicht im Umgang. Der BOAZU ist ein rassiges, feinfühlendes, kraftvolles Rennpferd, ein Araber unter den Verstärkern. Pure Lust, offen wie die Weite der Prärie, weitsichtig wie ein Adler und so neutral, dass er anfangs fast harmlos klingt. Allerdings ist das Zurückwechseln auf die anderen Verstärker auch wahrlich grausam. Oder wie der Wahlspruch aller HighEnd Freaks nach Frank Zappa lautet: „The Torture never stops“.

Mit 3k in Euro lässt sich zumindest diese Qual beenden. Daran denke ich die ganze Zeit.