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Über Reinhard Haberfellner

http://www.haberfellner.net/mein-weg/

The Beauty is a Beast

SMSL M8A DAC mit winzigem Display

So klein und schon ein Display – 2 cm mal 8 mm

Noch ist für viele gar nicht klar, was ein DAC eigentlich ist, auch Digital Analog Converter ist nicht viel verständlicher. Dabei ist es ganz einfach: Die Digital-Signale eines Files am Computer oder eines Streams aus dem Internet müssen ins Analoge übersetzt werden, aus Nullen und Einsern werden zuerst elektrische Wellen und später daraus Schallwellen. Klingt einfach ist aber sehr sehr komplex. Denn digitale Signale sind beileibe nicht immer nur logisch 1 oder 0 , können zeitlich versetzt daher kommen , erfahren phasenmässige Verzerrungen in den digitalen Filtern und was noch alles. Die Umsetzung ist daher eine Wissenschaft, die in HighEnd Kreisen fast so mannigfaltig für Diskussionen sorgt wie die Federung/Versteifungen des Plattenspielers oder die Anzahl, Lage und Art der Lautsprechersysteme in der Box.

DACs gibt es wie Sand am Meer

Jeder Radio, jedes Telefon, jeder Computer ob Laptop oder StandPC und heutzutage auch fast jeder Lautsprecher haben einen DAC eingebaut, Preis und Leistungsmässig von ein paar Cent bis Zehntausende Euronen. Letzteres sind eher „externe“ Digitalwandler, die die eingebauten zb. des CD Players ersetzen. EIN Kriterium für Unterschiede ist die Obergrenze der maximalen Abtastfrequenz , die üblicherweise bei etwa 192 kHz liegt , also mehr als dem vierfachen der auf CDs üblichen 44 kHz. Besondere können bis 384 kHz , die neuesten sogar 768 kHz „verdauen“ . Dazu kommt dann noch die Dynamik, also wie rauschfrei die Elektronik gestaltet ist, hier sind 24 Bit normal, 32 Bit besonders gut.

Das 2 cm große Display kann sogar abgeschaltet werden. We did smile!

Der DAC meiner Wahl war bisher ein Schiit Modi Multibit mit 196 kHz und 24 Bit Auflösung. Bisher, weil vor einigen Wochen mein Auge auf einen brandneuen DAC fiel, dessen Marke S.M.S.L mir völlig unbekannt war, der aber eine Auflösung bis 768 kHz 32 Bit versprach und auch mit DSD das bis zu bis 256 fache von 44 kHz auflösen kann, das sind immerhin schon 11,3 Mhz !!
Normalerweise ist mit dem Blick aufs Preisschild Schluss der Begehrlichkeit, aber diesmal – am Online Portal AliExpress – war eher ein Schock die Folge: Ganze 206.- Euros wollte man dafür , INKL. Mehrwertsteuer. Blödsinn, Billigzeug, Fake und was weiss ich alles wäre hier die normale Reaktion, aber ein paar Dinge machten mich nachdenklich. Der SMSL M8A DAC war von der japanischen High End Society approbiert (was auch immer das heissen mag), hatte ein gefrästes Alu-Gehäuse aus einem Stück, technische Daten einwandfrei und glaubhaft formuliert. Wer könnte bei diesem Preis widerstehen es einfach auszuprobieren, wie sich dieser DAC im Vergleich zu meinem ebenfalls extrem günstigen 295.- Euro Modi schlagen kann. Also nix wie ab mit der Bestellung und warten.

USB Akku statt Netzgerät

Auch mit USM-Akku zu betreiben, klingt noch sanfter.

Voller Überraschungen

Lieferung erfolgt wie versprochen, sogar ein paar Tage schneller als in angekündigten 4 Wochen. Erste Überraschung: Das Paket ist winzig! Zweite: Der DAC noch viel kleiner. Ja, die Abmessungen stehen ja bei der Bestellung angegeben, aber die Bilder sind „ geschickt gemacht“. Überraschung 3: Alle Kabel sind dabei, sogar ein Kabel für externe Versorgung durch USB Stecker und somit auch AKKUBETRIEB !!! Überraschung 4: Wusste gar nicht dass sooo kleine Displays gemacht werden. 😉

Die „Bedienungsanleitung“ ist an Komprimiertheit nicht zu überbieten , ganz im Gegensatz zum Klang. Der M8A ist in wenigen Minuten einsatzbereit und spielt seine Stärke ohne zu Zögern aus: Die große Weite!

Im Unterschied zum Modi und ähnlichen DACS bringt der M8A einen fantastischen Gewinn an Rauminformation. Der Klang erstreckt sich viele Meter weiter in der Tiefe, wenn auf der Aufnahme vorgesehen auch unendlich in die Breite. Analyse pur. Das würde ich auch als Hauptcharakteristik des SMSL DACs sehen , er zeigt alles auf , jedes Detail, genau bis zur Schonungslosigkeit. Der Wechsel des USB Kabels vom beigelegten Standard zum bewährten AQVOX wird sehr deutlich zur Kenntnis gebracht, Klarheit , Ausgewogenheit noch mal verbessert. Statt dem beiliegenden Netzteil kommt jetzt ein Powerpack zum Einsatz, das mir sonst mein iPhone bis zu 3 mal neu laden kann und sofort quittiert der M8A mit weiterem Qualitätszuwachs.

Meine Audirvana Software am
Mac freut sich endlich die volle Anzeige der möglichen Geschwindigkeiten präsentieren zu können . Ich gestehe , ich kenn mich durch einschlägiges Studium und Praxis ganz gut aus, aber hier komm auch ich ins Grübeln, ob ich jetzt SoX mit nur zweifachen Upsampling wählen soll, oder Izotope 64 Bit SRC mit maximaler Frequenz-Ausnutzung. Das Gute ist, ich kann erstmals wählen. Nachteil: Der SMSL M8A ist auch ein Biest, das weniger optimale Einstellungen nicht verheimlich oder kaschiert. Der zweite Nachteil: Mein in die Jahre gekommener MacMini gerät ins Schwitzen wenn er mit Audirvana extreme Frequenz-Auflösungen vorbereiten soll, und beginnt erstmals sogar zu stottern über 368 kHz, nicht immer, aber immer öfter.

MQA ist wunderschön auch ohne MQA-DAC

Tidal Software spielt Roberta FlackAudirvana kann ja auch erstes Entfalten von MQA Tidal-Streams , und hier zeigt der M8A seine ganze Stärke auf. Wie Roberta Flack „Killing me softly“ singt habe ich so noch nie erlebt, nicht nur ist das Klavier durchhörbar wie ein echter Flügel im Zimmer, die Stimme entfaltet bis in die kleinsten Nuancen, man kann auch den Raum „spüren“ in dem das ganze aufgenommen wurde. Ähnlich bei z.B. Arvo Pärts „Fratres“, wenn Gidon Kremer den Bogen tanzen lässt und alle Feinheiten seiner Saiten, aber auch seines Violinkorpus zum leuchten bringt. Das von Keith Jarret unnachahmlich berührte Klavier brummt sonor, ohne die Violine zu verdecken, die fast unhörbar daneben haucht.
Aber wehe man durchforstet seine Musiksammlung nach stark komprimierten MP3s , die werden in einer fast dreckigen Art präsentiert, also wollte der DAC sagen: Das Futter soll ich mampfen? Nimm das dafür!! Finger ins Auge!

In dieser Disziplin ist der Schiit Modi Multibit wesentlich nachsichtiger, bei ihm klingen auch weniger ideale Files angenehm und gut zu hören.

Der ganz unterschiedliche Charakter der beiden DACs war noch besser bei einem Freund zu hören, dessen Anlage auch hartgesottenen HighEndlern Tränen der Freude in die Augen treibt. Zwei Monoblöcke aus Ungarn mit Röhren bestückt speisen eine Sonus Faber Il Cremonese, die hier erstmals RICHTIG wunderschön klingt . Mit dem Modi rund und gesund, mit gutem Raum. Der SMSL M8A aber öffnet um unzählige Meter nach der Seite und hinten, bringt den Fokus fast IN die Instrumente, lässt Paolo Conte den Paso Doble aus dem Klavier prügeln, dass es sich aufbäumt wie ein Araberhengst, mit Kraft und Wucht , die man dem winzigen DAC nicht zugetraut hätte. Großorchestrales gerät zum Klangfest, Karajan darf wühlen wie ein Wilder. Gleichzeitig kann man jedes einzelne Chormitglied persönlich begrüßen, so fein löst sich alles auf.

Selten hat sich eine Investition so gelohnt wie beim M8A , obwohl ich noch immer nicht sicher bin wie lange er mich begleiten wird. Zum nebenbei angenehm hören wünsch ich mir einen größeren Schiit DAC oder vielleicht auch den Qutest von Chord, den ich bald probieren muss. Zum Analysieren meiner Komponenten und der Aufnahmequalität meiner Musik müsste mir jedoch erst einer einen DAC zeigen, der so detailliert den Dingen nachforscht, und dabei auch noch unglaublich preiswert ist. Bravo SMSL, ihr seid ab jetzt in meiner Liste der großen HighEnd Marken .

Steht auf Ecstasy – Die Saftkur für den Lautsprecher

Wenn ich derzeit für meine Freunde wirke als wäre ich auf Drogen vor Begeisterung, so liegt das zugegebenermassen an Ecstasy. Aber bevor sie jetzt die Behörde informieren um mir einen Besuch abzustatten, Entwarnung. Ecstasy Prop ist völlig legal, aber leider zu Unrecht unbekannt. In HiFi Kreisen. Denn dort müsste diese Marke schon ein Renner sein .
Ihr habt ja hoffentlich gelesen, dass mich letztes Jahr Meister Townshend schwerstens verunsichert hat mit seinen Isolationsplattformen, die die Lautsprecher völlig vom Boden entkoppeln. Leider ist Townsend Audio halt der obersten Qualitätsliga verpflichtet, macht nur perfekte Lösungen und verlangt – zu Recht – 1000 Euro für einen Satz Federspiel. Nicht ganz meine Preisliga derzeit, also hab ich gesucht und auch gefunden. Aliexpress, die chinesische Variante von Ebay liefert fast alles, oft sogar frei Haus. Bevor jetzt alle dorthin switchen und wie wild bestellen, sei zur Vorsicht gemahnt. Vieles bei AliExpress findet sich in viel schöneren Bildern als dann in echt zu Hause, Qualitätsunterschiede sind eben nicht immer zu ergoogeln . Mit Kabel für iPhone hab ich sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gemacht, oft ist billig auch schnell wieder kaputt. Spikes zum Ankoppeln an Isolationsbretter dagegen waren bisher immer ein Treffer, besonders die Ebenholz-Variante ist unschlagbar in Preis und Leistung.

Aber zurück zum Federbein.

Ecstasy Prop sind 2 mal vier Isolationsfederbeine , die für Verstärker, CD Player , Plattenspieler oder eben Lautsprecher Ecstasy Prop Federn Seitenansicht neben Computertastaturgenutzt werden können . Zwischen zwei Kunststoffscheiben wurde eine Filzscheibe eingelegt , damit hochfrequente Störungen abgeblockt werden, die tieffrequenten Wellen kommen in insgesamt 7 Federn pro Isolationsfuß zu Tode und werden so nicht weitergegeben, nicht von unten nach oben und auch nicht umgekehrt.

Der Lautsprecher regt ja – auch wenn er sehr schwer ist – den Holzboden an, solange er auf Spikes steht. Meine sind aus Beton gegossen und bringen daher 38 kg auf die Waage pro Stück, mein Boden ist der einer typischen Altbauwohnung, Parkett mit Neigung zum Schwingen. Der Holzboden schwingt nun in allen Richtungen und resoniert seine Schwingungen auch wieder zurück . Gut zu sehen ist das wenn man ein Vibrationsmeßgerät ( aka iPhone mit Vibrations-App) auf die Box legt und hart auf den Boden tritt. Mit Spikes erzittert der Lautsprecher, auf Federn gelagert eben nicht. Zur Isolation von Amps oder CD Playern kann man übrigens Federn herausnehmen und so auch leichtere Geräte mit tiefer Frequenz schwingen lassen .

Diagramm mit Spitzen bei Tritt auf den Boden mit SpikesaufstellungDiagramm zeigt: Tritt auf den Boden wirkt nicht ins Gehäuse mit Federaufstellung

Die klassische Frage : „Wozu brauch Ich das?“

des gelernten Wieners beantwortet man am besten dreierlei: Erstens um den Fussboden und eventuell auch Wände NICHT anzuregen und damit selber zu Schallquellen zu machen. Zweitens um Reflexionen/Vibrationen aus dem Boden nicht in das Lautsprechergehäuse zurückfliessen zu lassen und dort den Klang zu verwaschen. Und drittens um die Nachbarn bei besserer Laune zu halten, denn die wollen am Bassgewummer ziemlich sicher nicht teilhaben. Soweit die Theorie, noch viel besser die Praxis.

Ecstasy Prop Isolationsfedern 7 Federn zwischen 2 Kunstoffdeckeln

Ecstasy Prop Isolationsfedern geöffnet

Von einer Investition von sage und schreibe weniger als 50 € kann man normalerweise nicht viel erwarten. In diesem Fall aber, zumindest bei meinem Setup von schweren Transmission-Line Betonhörnern auf Altbau-Holzboden war die Wirkung einfach phänomenal. Der Bass war plötzlich viel saftiger, gewichtiger aber dabei wesentlich sauberer und klarer. Stellen sie sich eine dicke Melone vor, prall gefüllt mit Saft, dabei aber völlig glatt rundherum. Dazu aber kommt noch eine Verfeinerung der Durchhörbarkeit, klare Staffelung der Instrumente seitlich UND nach hinten. Und kein Hauch von Schärfe oder Härte trotz geradezu sichtbarer Zieselierung von Schlagzeugbecken und Violinen. Die neue MQA Version des alten ECM Klassikers Fratres von Arvo Pärt, in der Gidon Kremer den Geigenbogen springen lässt, dass es seine Bewandtnis hat, während Keith Jarrett ruhig und gehaltvoll den riesigen Flügel brummen lässt , ein Hochgenuss! Meine Bob Katz Playliste als nächste Station, Morph the Cat von Donald Fagan knallt aus den 40 Jahre alten Boxen als wär wirklich eine Prise Ecstasy in den Linn Amp geflossen, und der schiebt an als hätte ich seine Wattzahlen heimlich verdoppelt. Was bisher als fast zu viel des Guten auf mich hereinströmt auf sehr dichten Aufnahme wie dem Ende von Tchaikovsky’s 1812 oder auch die „Scary Monsters and nice sprites“ von Skrillex ist plötzlich kraftvoll aber wohlsortiert, Lage für Lage des Klangteppichs leicht wahrzunehmen.

Diagramm der Schwingungen zeigen keine Impulse bei starken Drumschlägen

Starke Bassimpulse reflektieren NICHT vom Boden ins Betongehäuse des Lautsprechers durch Federn

Schlag die Puritaner

Nachdem „We Want War“ von „These New Puritans“ schon immer die Bassprobenummer par excellence war, muss sich das neue Setup auch hier beweisen und tut das mit eine mächtigen Klarheit, die mir fast das Wasser in die Augen treibt. Der Messtechniker in mir muss natürlich auch versuchen etwas herzeigbares zu finden und wirklich , die Riesentrommel am Beginn der Nummer in Loop gespielt zeigt am Gehäuse meiner Boxen gemessen keinerlei Ausschlag , während man auf Spikes das Vibrationschaos des Holzbodenechos deutlich sieht, das die 38 kg Lebendgewicht erschüttert. Auch Rodrigo und Gabriela fetzen die Paella vom Teller dass es eine Freude ist.

Diagramm der Schwingungen zeigt deutliche Impulse bei starken Drumschlägen bei Spikesaufstellung

Starke Bassimpulse reflektieren vom Boden ins Betongehäuse des Lautsprechers über Spikes

Nach all dem ist mir völlig schleierhaft warum STEREO, Fairaudio und wie sie alle heissen noch nicht den Spikes unter den Boxen den Krieg erklärt haben, wie es zB HiFi Critic bereits begonnen hat. Und wenn ich im Mai alle Hersteller von Lautsprechern noch immer ohne Townsend Platformen spielen höre/sehe, dann denk ich mir meinen Teil und vielleicht sehne ich mich dann zurück nach Hause zur Extase der Federn. Und irgendwann spar ich dann doch noch auf die Townshend Bars.

 

 

Nachtrag 1: Gerade wurde die Wirkung der Ecstasy Kur an einem Paar Triangle Magellan Cello ( 34kg pro Stück!) bestätigt, die mit ihren 5 Beinen auf einer 20 kg schweren Marmorplatte stehen. Wunderschöner Klang auch ohne, aber Definition der Instrumente und zB. Größe des Kontrabasses von Dave Holland sind auf Anouar Brahems neuer LP „Blue Maqams“ einfach soviel besser definiert, dass die Bestellung von Ecstasy Prop nur eine Frage von Minuten war. Bei dem Gewicht sollten es allerdings schon 6 oder 8 Federbeine sein pro Lautsprecher, damit die Eindrücktiefe der Federn nicht so groß sein muss. Trust me 🙂 .

 

Power to the Music, raus mit dem Dreck

REAL Netzkabel PSOCC

Die neueste Errungenschaft in meiner High-End-Anlage ist nicht zu übersehen, fast 2 cm dicke Schläuche führen von der Vor- und Endstufe zur Steckdose. REAL Cable PSOCC. Und nein, das ist nicht auf Testosteron-Überschuss zurückzuführen, auch die Midlife Crisis hab ich relativ gut und vor langer Zeit überstanden. Es geht um Audio Hygiene, wie es der wunderbare The Hans Beekhuyzen Channel so treffend nennt, es geht um den klanglichen Einfluß von Netzkabeln, auf den Hans mich wieder mal aufmerksam gemacht hat. Dabei ist der bessere, schnellere ungehinderte Transport elektrischer Energie durch die 3 mal 4 Quadrat dicken Kabeln aus hoch Oxygen freiem Kupfer noch der geringste Einfluß, obwohl – kleiner Vorgriff auf die klanglichen Verbesserungen – die Endstufe plötzlich klang, als hätte ich sie mir eine Nummer größer zugelegt; mächtigerer Bumms nachher wäre die Kurzbeschreibung. Zwei viel wichtigere Eigenschaften des neuen Netzkabels sind die Abschirmung der Abstrahlung nach aussen und die Unterbindung des Einstrahlens von Störsignalen  in den Verstärker. Jeder elektrische Leiter durch den Strom fliesst erzeugt ein Magnetfeld, bei 220 Volt und bis zu einigen Ampere kann das schon kräftig werden, andererseits liegen Eingänge des Verstärkers nur wenige Zentimeter neben diesem Brummsender, während sie von der Elektroinstallation in der Wand viel weiter weg sind. Das Netzkabel trägt übrigens nicht nur die bei uns 50 Hz schnellen Schwingung des Nutz-Stromes, sondern auch Rauschen , Spikes und sonstigen Dreck, der durch die Leitungen kommt . Dieser Störanteil kommt einerseits aus der Steckdose, wird aber – und damit kommen wir zum zweiten Problem ungeschirmter billiger Netzkabel – auch in das Kabel eingestreut, von Rundfunk, Mobilfunk, WLAN, Mixern und anderen Elektro-Motoren und so weiter und so fort. Den Schwachsinn called POWERLINE lassen wir einmal beiseite, sonst könnte der Blutdruck zu sehr steigen, den verwendet sowieso kein verantwortungsbewußter Mensch der zwischen den Ohren ein wenig Hirn mitbringt.

Netzkabel neben Eingang

Wenn also  alle Störwellen in die ungeschirmten Netzkabel eingestreut werden, kommen diese so auch in den besten abgeschirmten Verstärker, und die vorhandenen Netzfilter können gar nicht genug aussieben. Besser also böses Rauschen kommt gar nicht hinein. REAL Cable macht das mit asymetrischem Aufbau und doppelter elektrischer Abschirmung, sowie mehrfach gedrillten Litzen/Kabeln.

Zusätzlich sind die Leiter in Schaumstoff eingebettet um Mikrophonie vorzubeugen. Kabel erzeugen wenn sie bewegt werden nämlich auch winzige Stromanteile und bewegt werden sie durch Vibrationen der Umgebung, also des Bodens auf dem das Kabel liegt, oder dem Kabelkanal. Audiophile Feinspitze haben sicher schon bei Freunden die kleinen Holzbrücken gesehen, welche das Kabel vom Boden fernhalten, gleicher Sinn und Zweck, WAF (Woman Acceptance Factor) allerdings gleich null. Bevor unseren Physikern und Messtechnikern jetzt all zu sehr der Kamm schwillt, da sie nicht glauben können dass ein paar µVolt ein 220 Voilt Signal stören können mein genereller Tip: Ohren auf und probieren. Vorraussetzung ist eine halbwegs gute Anlage.

Gut vs viel besser

Witzigerweise gilt meine LINN Verstärkerkombi als sehr wenig affin zu Kabeln aller Art, d.h. die Entwickler haben ordentlich designt ( nicht das Aussehen! für Journalisten allgemeiner Bildung)  und gefiltert im Verstärkeraufbau. Ich habe mir auch ehrlich gesagt nicht sehr viel Einfluß erwartet und mich schon stundenlang diskutieren gehört mit gleichgesinnten Freunden ob man was hört und wo und wie. Umso verblüffter war ich über die Klarheit der Wirkung. Der fettere Druck war ja schon verraten, die feinere Darstellung aber, der „schwärzere“ Hintergrund, die Vergrößerung des Raumes und die ganzheitlich zu spürende Sauberkeit der Darstellung meiner mehr als 30 Jahre alten Lautsprecher waren atemberaubend. Da die REAL Cable in einem adetten Tascherl geliefert werden, bei den 3,5 m meiner Versionen schon nötig um zu tragen, ist nichts einfacher als wieder eingepackt und Kollegen „NAIM UnitiLite Besitzer“ zu besuchen. Same thing over there. Auch Naim ist nicht bekannt dafür kritisch zu sein bezüglich Lautsprecher- und Netzkabel, auch dort aber keine Frage dass der Genuss MIT den dicken Netzschlangen fraglos wesentlich größer ist, also mit dem serienmäßig gelieferten Schnürsenkel im Vergleich.

Ob 200 € Investition pro Kabel den größeren Genuß wert sind, muss jeder selber entscheiden, ein doppelt so starker Verstärker besserer Güte kostet allerdings wesentlich mehr als diese Frischzellenkur. Consult your dealer and try!

 

Disclaimer: Österreichische Vertretung von Real Cable / Quadral ist Smart Audio, für die ich mehrere Vorführungen machen durfte. Nicht zuletzt weil sie wissen, dass gute Bewertungen bei mir nicht zu kaufen sind, sondern nur guten Produkten gegeben werden.

Klangbilder 2017 Teil1: Das lachende Auge

Der diesjährige Report teilt sich in good and bad News, sozusagen ein lachendes und ein weinendes Auge. Damit die wunderbaren Produkte die uns diesmal das Hören verwöhnt haben nicht in den Schatten der eher allgemeinen traurigen Betrachtungen kommen, beginnen wir positiv.

 Longtone: Großes von den Kleinen

Meister Franz Lamparter bot diesmal internationalen Besuch von NEAT um die neuen IOTA Explorer

IOTA Lautsprecherserie

IOTA-Alpha und Explorer

vorzustellen, eine etwas größere Variante des IOTA Alpha Wunderzwerges. Wie auf unserem Bild ersichtlich schaut die IOTA Serie ganz anders aus, als Lautsprecher bisher das zu tun pflegten, geschuldet ist das dem Ziel in Punkto Aufstellung extrem flexibel zu sein , und einen hohen WAF (Woman Acceptance Faktor) zu bieten . Aber man muss keine Frau sein um an der IOTA Gefallen zu finden , die klangliche Breite ist äusserst großartig , ordentliche Elektronik und Quelle vorausgesetzt röhrt auch ein Steinway in Originalmacht daher, den geradezu mächtigen Bass dürfte der heilige Geist beisteuern , normalerweise kann er aus so winzigen Gehäuse nicht kommen , nämlich stark UND trocken.  In Bezug auf Kohärenz des Klangbildes war die kleinere Alpha fast noch runder als die neue Explorer . Sicher einen beachtlichen Anteil an dem Genuss hatte natürlich die NAIM Elektronik davor, das geradezu erotische Volume-Rad der Muso Serie gibts jetzt endlich auch auf dem Amp bzw. dem All in One Player. Muß man sich einfach mal ansehen und vor allem selber drehen . 🤭   Der kleine IOTA Alpha kostet übrigens ca 1800.- das Paar, gemessen am Ergebnis ein Schnäppchen.

Hey Big Spendor!

Spendor 80

Rockt das Haus , Spendor 80

Unweit von Longtone rockte ein anderer Longterm-Champion das Haus, bei Stefan Huber von der Sound Gallerie war diesmal ebenfalls leistbar die Devise und die neuen Spendor A4 fegte die am Freitag Gottseidank noch nicht dargebotenen Schnitzel vom Teller, dass es grad so seine Bewandtnis hatte. Oida! Mit geschossenen Augen hätte man die Größe der Box auf das doppelte geschätzt, den Preis fast ebenso. Schwer denkbar dass derzeit um 1400.- /Stück besseres zu finden ist mit der kombinativen Gabe hochdynamisch und feinsinnig Musikalisches darzubieten. Auch die Elektronik von Advance Acoustic aus Frankreich eine preiswerte Sonderklasse, Vollverstärker mit 2 mal 160 Watt an 4 Ohm und eingebautem DAC bis 192 kHz  um sage und schreibe 1290.- Euronen. Freunde des optischen bekommen sogar zwei Riesen-VU Meter dazu, man will ja den Kumpanen was herzeigen.

Bleiben wir beim Schönen
und schwelgen wir in Erinnerung an den Boenicke Raum, in dem schlicht Großartiges geboten wurde, obwohl es ein verwinkeltes Horrorzimmer war.

Boenicke

Man beachte die Raumkorrektur in den Ecken – Boenicke at its best

Boenicke - Innen und aussen wundervoll

Komplexität innen = Klarheit aussen

Mit dem warmen Brüten der Tuben von New Audio Frontiers entfalteten die hochkomplex designten aber äusserlich schlichten Schönheiten von Boenicke eine Bühne wie im Burgtheater, auf geschätzten 5 Quadratmetern! Streichinstrumente offenbaren ihre Dualität aus mit Pferdehaar gestrichenen Darm- oder Stahlsaiten und wärmenden Holzresonanzböden, einfach zum Niederknien schön, alles geordnet, aufgeräumt, farbfunkelnd wie ein Diamant aber wenn nötig weich wie ein Hermelin-Manterl. Preislich sind wir dem auch wesentlich näher als der vorher erwähnten Sonderpreiskategorie, aber einen einfachen Geschmack wie Oskar Wilde zu haben* war schon immer etwas aufwändiger.

Klangwolke Bushgetta Air

Klangwolke a la Bushgetta

Den Vogel in Sachen Innovation hat auch diesmal wieder Meister Bushgetta abgeschossen, dem es mit seinem

Stereoanlage einmal anders

Ein Koffer voller DSP , WAF =0

Bastlerkoffer voller Digital Signal Prozessoren gelungen war aus zwei Holz-Wölkchen an der Decke ein durchaus anspruchsvolles Klangbild zu erzeugen. Zielgruppe sind hier Lokale , deren Musikanlage elektrisch üblicherweise nicht einmal unter dem Begriff Fastfood zu subsummieren ist. Wenn diese Mistküberl ersetzt werden durch die Bushgetta Air-Wolke könnten auch unsere Ohren mit Vergnügen schmausen.

Meisterwerkstatt

Dass die Wiener Lautsprecher Manufaktur zur weltweiten Spitzenklasse zählt, dürfte mittlerweile jeder wissen. Im Bestreben auch Kundschaft bedienen zu können, deren Wohnzimmer nicht in Hektar gemessen wird, war quasi Minuten

Jessas Maria, klingt das göttlich!


vor Eröffnung der Messe die Maria zu uns herab geschwebt, eine äusserst aktive Dame mit 4 Weg Technik. Der Klang ist einfach beschrieben: Wiener Lautsprecher Manufaktur Klang – also „alles“, bestens, unaufgeregt, perfekt, laut wie leise, aber eben aus einem viel kleineren Lautsprecher diesmal. Muss man hören, wenn man ernsthaft Lautsprecher kaufen will. Begleitet wurde die hauseigene Elektronik von einem „lokalen Streamer“ der Firma „Digitale Audio Systeme“ dessen Unique Selling Point perfektes Tagging und ein neues User Interface sein soll, das an LP blättern erinnern wird. Zu sehen war das übrigens bei der Vorführung nicht ?!? Ja die Kunst der Präsentation war auch in Wien nicht immer anwesend. Bevor wir aber zu den ernsten Problemen kommen noch ein letztes Highlight.

Höhepunkt Nr2 audiophiler Golden Master Aktivität war nämlich wieder einmal ein ebenfalls langjähriger Freund der Szene, Wolfgang Paltauf, älteren Highendern noch als Mr. LOG bekannt. Für Wolfgang Paltauf geht es ja in der Realisierung verschiedendster  Verstärker- und Lautsprechermodelle darum das letzte Quäntchen an Musikalischer Information freizulegen, zu hören ob alles da ist und nichts fehlt und das zu erwartende dann auch klar und ungeschminkt zu präsentieren. Um den Quellen von Vinyl über CD und HighResFiles sozusagen stethoskopisch auf den Puls zu fühlen , bedient sich ein Mann seiners Formates zuerst einmal eines optimalen Wandlers in Form des Stax Kopfhörers. Für den man sich – natürlich – kurzentschlossen den optimierten Verstärker dazu bauen muss. Und alle die das Vergnügen hatten ins Allerheiligste vorgelassen zu werden , konnten sich überzeugen : Wolfgang Paltauf hat das akustische Rasterelektronenmikroskop verwirklicht und kann bei Geigenvirtuosen die Rasse des Pferdehaares bestimmen. Oder den Holzwurm im Musikverein husten hören. Wer jetzt meint , das wäre das Pendant zum AUDI Halogenmörderscheinwerfer hat sich getäuscht. Nix grell, nix scharf , nix überbelichtet, nur „genau“, so viel Raum dass man einen Teil davon fast weiter vermieten könnte. Soviel Luft rund um die Instrumente, dass die Notenblätter festgehalten werden müssen. Mit diesem neuen Tool werden nun zu entwickelnde Lautsprecher verglichen, Verstärker überprüft und damit ist auch in Zukunft Aufregendes aus dem Hause Paltauf zu erwarten.

Über weniger angenehm „Aufregendes“  zum Thema Klangbilder 2017 berichtet in Kürze Teil 2 .

 

 

*  “I’m a man of simple tastes. I’m always satisfied with the best.” Oscar Wilde

 

Klangbilder 2017 – Teil2: Das weinende Auge und Ohr

Es war ja schon abzusehen: Klangbilder 2017 waren eine Fortsetzung des Schrumpfungsprozesses der letzten Jahre. Wer mit leicht zu durchschauenden Tricks arbeitet, und das Aussteller Verzeichnis in ein Markenverzeichnis umwandelt, und damit z.B aus einem Audio Tuning Zimmer fast 20 Einträge bastelt, hat was zu verbergen.

Tricksereien

Der Floorplan passte dann auch locker auf eine Seite, denn neben den 8 Ausstellern des Erdgeschosses gab es nur 1 Stockwerk ( der 5. Stock), und das war nur zu etwas  mehr als der Hälfte besetzt, wenn man leere Räume, „VIP Bereich“ und Messeleitung abzieht. Dass trotzdem nach wie vor 15 Euro Eintrittspreis fällig waren, hat dann auch einige Besucher von Beginn an eher irritiert. Kommen wir zum „Programm“ , also vom Zuschauer erwarteten Vorträgen und Sondervorführungen. Näher betrachtet wurden dort fast NUR Präsentationen in den Ausstellungsräumen aufgelistet, die ohnehin den ganzen Tag gemacht werden müssen, um das pt. Publikum zu unterhalten. Ich schätze Herrn Lesemann aus Klagenfurt und seine Fachkenntnis zum Thema Raumkorrektur sehr, dass aber ein Viertel des Tagesprogramms von ihm in seinem Vorführraum stammt, ist denn doch etwas zu viel der Potemkinschen Tagesprogramm-Architektur.

Fachhandel unter sich

Über mangelnde Sachkenntnis oder eigenartige Vorführung zu räsonieren, ist mir daher auch fast zu schade um die Zeit. Dass am Freitag auch um 11 h – also 1 Stunden NACH Beginn der Messe die Herrschaften von Audio Tuning nur Ö3 oder gleichwertiges in geringster Lautstärke aus den groß angekündigten Tannoys tröpfeln liessen, war nichts Neues in Sachen Vorführexpertise von Audio Tuning. (corr)** So wird das nix.

Technics mit „Fachberatung“

Ausgerechnet im Technics Vorführraum wurde Unkenntnis in neuen  Höhen gefeiert, was mich als Ex-Mitarbeiter und noch immer Fan traurig macht. Beispiele gefällig? „CD ist ja komprimiert und klingt daher nicht so gut wie vom neuen Plattenspieler“ „HighRes ist da viel besser, aber MQA kennen wir leider nicht, was ist das?“ Wir haben uns nähere Auskünfte gespart, das Zimmer war auch leider nur groß genug nacheinander jeweils 1(!) Person in akzeptable Stereomitte zu platzieren. Darauf haben wir dann ge… knickt verzichtet.

 

Auf Zack?

Dass Österreichs „Fachhandelsketten“ einen großen Beitrag zum HiFi Desaster Österreichs beigetragen haben und nach wie vor beitragen, zeigte einmal mehr die Marke RED ZACK.

HiFi a la Red Zack

Wer auf die Idee kommt einen Staubsauger und Espressomaschinen auf einer HiFi Messe zu präsentieren, leistet sowieso einen Offenbarungseid allererster Güte. Wie ich das Marketing von Red Zack kenne, war die Begründung dahinter „auch etwas für die Frauen zu tun“, das wurde schon vor Jahren bei der Generalversammlung als Idee hinter einer Staubsaugerkampagne präsentiert. Andererseits muss man froh sein, dass sie nichts von dem mitgebracht haben, was sie laut Homepage für HiFi halten 

„Meiner ist größer“

Aramis Milagro von vorn

Ich gestehe, dass ich auch gröbere Probleme habe mit Lautsprechern, die gebaut wurden, um entweder andere zu kurz gekommene Eigenschaften zu kompensieren, oder ohne die geringste Berüchsichtigung der Tatsache, dass die Teile nicht im Kohlenkeller sondern mitten im Wohnzimmer stehen werden. Zugegebenermassen hat zB Live Act Audio mit Coaxial-Chassis eine wirklich hörenswerte Performance abgeliefert, allerdings kenne ich niemand der bereit wäre mehrere 10 000 Euro auszugeben für Kisten die offensichtlich in den 50 Jahren vom „VolksEigenenBetrieb Holzkistenmonster“ entworfen wurden. Und ich beuge mich in Ehrfurcht vor den schönen Holzhörnern der ARAMIS Milagro, aber – sorry to say – der Kabelwald der hinten rauskommt, freut höchstens einen perversen Elektroinstallateur. Wenns alle anderen schaffen, das technisch eleganter zu lösen, müsste auch ARAMIS das hinkriegen.

Ein weiterer Kandidat für den Award der unsichtbaren Gemächtverlängerer  konnte man im Suon

Mutter, ich hab den Lautsprecher gepimpt

Arte Raum besichtigen, Sigma Acoustics MAAT Orchestra ist der feuchte Traum eines Lautsprecherbauers. Da der relativ große Jangtse Salon noch immer viel zu klein war für die schrägen Monster kann ernsthaft über den Klang nichts gesagt werden . Reitschulbesitzer mit Wohnzimmerambitionen sind aber eingeladen, sich das Pärchen einmal vorzunehmen, wegen des Wirkungsgrades von über 100 dB ist es egal, dass nach dem Kaufpreis der Speaker nur wenig für den Amp überbleibt.

Klassik und Vinyl – Nischen als Thema? 

Neuerscheinungen Tonträger 2016

Kommen wir nun noch einmal zurück zum Grundthema Klangbilder. Vinyl als Main Theme gefällt vielleicht Österreichs HiFi-Hauptsponsor Project, ist marktmässig und international aber schon lang kein Thema mehr um als Main Theme in Sachen Musikerlebnis zu bestehen.

Kaum noch zu sehen in der Statistik – LP

Die ganzheitlichen Statistiken sprechen eine deutlich andere  Sprache. Daher sind auch in allen HighEnd Messen Streamer und DACs die Stars und nicht Plastikschaber.

Noch weniger Besucher als 2017 wird die Hotelmesse kaum aushalten.  Zwar waren die Räume, weil eben wieder einige weniger als in den Vorjahren, gut besucht am Samstag, und mangels Alternativen waren die üblichen Verdächtigen alle zumindest einmal da, aber weder konnte man viele junge Besucher zählen , noch das kaufkräftige NICHT HIFI affine Publikum, das es zur Verbesserung braucht .

Freibier 2018 

Klangbilder 2017 Poster

Nicht nur ich halte die Idee einen Schnitzeltag einzuführen für den völlig falschen Weg. Was lässt sich die Haus-Agentur für 2018 einfallen ? Freibier?

Ein Auge als Blickfang des Posters – den Lautsprecher haben die meisten bis heute nicht erkannt – ist ebenso wenig hilfreich , wie das Ausbleiben von wirklichen Mediapartnern oder Plakatserien in einem anderen Umfeld. Die Klangbilder Prospekte zu hunderten verspätet am Freitag in den Zimmern zu verteilen bringt genau gar nix mehr , da sind die Leute schon da und werden beim Hören gestört. Werbewirksamkeit = 0

Hoffnung kommt vom Blick über die Grenzen 

Warum es in Wien , der Welthauptstadt der Musik nicht und nicht gelingen will Musik hören zu einem breiteren Thema des allgemeinen Interesses zu machen, ist nicht so einfach zu beantworten . In anderen Städten platzen die HiFi Messen grad aus allen Nähten. High End in München ist klar , ist aber als globaler Treffpunkt ein Ausnahmestern.

Am Weg zur Audio Show Warschau Nov 2017

Warschau ist da schon interessanter als Vergleich , die dortige Hotelmesse ist zumindest nach Messeberichten ein Traum , 170 Zimmer, unglaubliche Höhepunkte audiophiler Schaffenskunst wurden dort geboten.

HighEnd Swiss2017

Diskussionspartner haben gemeint, in Warschau hätte man eben nachzuholen. Stimmt so aber sicher nicht für Zürich, über 40 Aussteller waren im Mövenpick Hotel zu besuchen, der Eintritt beträgt mit 12 Franken nur 2 /3 von Wien. Überhaupt kostenlos ist der Eintritt zu den Norddeutschen HiFi Tagen ( die übrigens mit einem Ohr beworben werden). Dürften auch mehr Aussteller dort gewesen sein als in Wien. 9 Berichte in Fachmagazinen zeugen davon dass das Team der Norddeutschen Klangbilder auch die Pressearbeit beherrscht. Eine Woche nach der Klangbilder 2017 „Show“ in Wien findet Tante Google ausser einem eher sarkastischen Falter-Beitrag nichts zum nachlesen.

So wird das nix mehr .

PS  Wer auch immer etwas beitragen will zur Wiederbelebung von HiFi / HighEnd in Österreich ist herzlich zur Diskussion willkommen, wann und wo auch immer. Vielleicht äussern sich ja auch die diesmal weggebliebenen HighEnd Händler zum Thema hier oder anderswo.

 

** Korrekturen nach Hinweisen in den Kommentaren.

Ganz mein Geschmack – Ikea serviert HiFi der Spitzenklasse (Update)

In aller Kürze: Ich habe eine neue HiFi Anlage, um 50 .- €. Jetzt höre ich meine werten Leser sagen: HF wundert sich nicht mehr, er spinnt jetzt total. Auch wenn sie vermuten ich hätte mir eine der Bluetooth-Plastikbüchsen gekauft und so meinen Musikgenuss auf Jahre hinaus vernichtet, liegen Sie falsch.

Aber gekauft hab ich was, nämlich 3 Hackblöcke aus Bambusholz und 6 Untersetzer aus Kork.  Bei Ikea. Also eigentlich sind es ja Schneidbretter. Nein , ganz eigentlich sind es perfekte Basen für HiFi-Komponenten. Wie schon vor mehr als 3 Jahren im Audio Beat Blog zu lesen war und später auch in Fidelity Online aufgeriffen wurde, sind die Bretter aus Bambusholz von Beginn an als perfekte Basis für HiFi-Komponenten entworfen worden und zwar von Jon Karlsson. Ein Schwede also wieder einmal. Ich gestehe beide Artikel  damals verpasst zu haben und erst Norbert Loderer, einer der beständigsten HiFi-Enthusiasten Österreichs, hat mich mit einer praktischen Anwendung dieser Unterlagen überrascht.

3 Schichten Bambus verleimt

Wieso eignet sich das APTITLIG Brett so hervorragend als Unterlage und warum brauchen wir sowas überhaupt? Elektronische Geräte werden üblicherweise von äusseren Vibrationen geschützt auf Gummifüßchen platziert. Damit ist aber den Vibrationen, die im Gerät entstehen, zB durch Trafos, die Beschallung durch die Lautsprecher etc. nichts entgegengesetzt. Absaugen kann man solchen Vibrationsenergie am besten mit zähem, harten und langfasrigen Holz, das in 3 Schichten in unterschiedlichen Richtungen zueinander verleimt wird. Schneidet man noch eine Rinne hinein, ist das ganze auch als Brett für die Küche zu brauchen und so in großer Stückzahl zu verkaufen. Preis pro Stück ca 15 €.  Mit 45 cm Breite und 36 cm Tiefe hat es bei 3 cm Dicke immerhin fast 4 kg Gewicht.

Zum Gerät hin , egal ob Vor- oder Endverstärker , CD Player oder DAC soll die Verbindung starr und perfekt sein, also Kegeln aus Metall , Kugeln aus Keramik oder ähnliches. Hier soll ja die Energie gebündelt in den Vibrationssumpf abgeleitet werden. Darunter allerdings soll meiner Erfahrung nach eher gedämpft werden , um nicht die Vibrationen vom Regal, Rack oder Boden hinauf zu leiten. Nachdem IKEA ja eine große wundervolle Küchenabteilung hat, sind dort Korkuntersetzer im Programm die bestens geeignet sind dafür , 3 Stück pro Brett . Beim Kreditantrag bitte noch den Kostenpunkt von 99 Cent für 2 Stück einrechnen. 😉 Wem das zu profan ist, der kann auch Oehlbachs Gummihalbkugeln, oder andere Vibrationsdämpfer dafür benutzen.

Untersetzer aus Kork um 1 €

Also wenn mir jemand eine Verbesserung des Klangbildes verspricht um unter 50.- bin ich normalerweise unterwegs um das selber zu probieren. Ehrlich gesagt war ich skeptisch, hab mich davor gefürchtet nun wieder tagelang probieren zu müssen, ob man das hört oder eher nicht; aber nachdem es schön aussieht sollte es auf alle Fälle ein Gewinn sein. Nicht vorbereitet war ich auf die Wucht der Veränderung. Im Clickbait Jargon würde man sagen : „Was dann passierte war unglaublich … “

Meine schon etwas betagte LINN Wakonda , Linn 140 Kombination spielte plötzlich saftig und kraftvoll, als hätt ich sie mit Potenzpillen versorgt. Der Klang war völlig frei von den Lautsprechern, ausgefächert wie im Breitwandkino. Bei „Morph the Cat“ von Donald Fagan geht es so spritzig zu. als wäre meine YMER’s nicht aus Beton sondern aus Melonensaft. Dabei wird die  Präzision der Höhen noch genauer, die Tiefenstaffelung deutlicher und die innere Dynamik des Klanges logischer als je zuvor. Der Bass ist sauber und klar als wäre der Bazou von Leonklou noch bei mir, dabei aber stark  als hätte ich mir die neue Masters von NAD geholt.

Aptitlig der mittlere

Aptitlig der mittlere

Zudem kommt alles springlebendig und frisch auf den Tisch, und kein Mensch kommt auf die Idee dass alle Komponenten schon viele Jahrzehnte brav ihren Dienst versehen. Für die viel leichtere UPC Box, die mir OE1 in Direkt Quality nach Hause liefert, reicht meines Erachtens übrigens der mittlere Bruder des Aptitlig-Trios aus, da wäre das 3,5 kgBrett zu schwer zum absaugen der bösen Vibes.

In nächster Zeit wird also die Mediathek nochmal von vorne durchgehört, Tidal wieder strapaziert mit neuesten MQA Aufnahmen und noch etwas ist plötzlich klar: Kabeltests werden einfacher, weil klarer zu hören ist was geht und was nicht. Diverse Kegeln aus Kupfer, Ebenholz und Titan werden zeigen müssen wie gut sie ableiten ins Wunderbrett APTITLIG. und vermutlich werden auch diverse Gummi-, Plastik-, und Gel-Dämpfer das Abkoppeln unterhalb des Brettes vorzeigen bzw. herhören müssen. Ich hab ja jetzt einen neue Anlage die Hörversuche lohnend macht .

UPDATE:

Höhenverstellbare Metall-Spikes mit dazu gehörender Metallunterlage

Natürlich ist eine HighEnd Anlage immer im Umbau, denn das letzte Quentchen herauszuholen ist ja eine der Freuden eines jeden HiFi-Liebhabers. Daher sind in der Zwischenzeit Ebenholz-Kegeln mit Kupferspitze und höhenverstellbare Metall-Spikes eingetroffen und haben noch einmal deutliche Verbesserungen gebracht. Die Ebenholzkegel leiten Vibrationen in das Ikea-Brett, wo sie weitgehend unschädlich gemacht werden. Um das Brett gut mit der Unterlage zu koppeln, gleichzeitig aber die Vibrationen von aussen nicht in störender Menge wieder zurück ins Brett und damit in den Verstärker zu leiten, steht Ikeas HiFi-Gourmet-Tablett jetzt auf den Metallspikes. Beim Hören zeigte sich, dass die Metallspikes den Hauch von Glanz zurück bringen, der von den Korkunterlagen zu viel bedämpft wurde. Nach mehreren Duchgängen wurde bei mir als persönliches Optimum die Kombination von 2 Spikes

Sandwich gegen klangliche Unschärfe

mit 1 Korkunterlage als perfekt empfunden, Glanz wird mehr aber nicht zuviel um hart „angeschlagenes“ Piano nicht ins Übertrahlen zu verführen. Und mir ist im Zweifel das Holzgehäuse der Gitarre lieber zu hören als die angerissenen Metallsaiten. Das wird bei meinen geschätzten Lesern von Fall zu Fall unterschiedlich sein, sicher ist nur dass sich der Klang merkbar verändert mit dem Einsatz – und möglicherweise sogar der Richtung der Kegel/Spikes oder Halbkugeln oberhalb und unterhalb des Brettes.

Mein Rat: Probieren und immer wieder probieren, man wird belohnt mit nie gehörter Klangreinheit und Balance. Enjoy.

 

„Ja, natürlich“ oder Lejonklou und die Perfektion der Simplifizierung


Es gibt auch für langjährige HiFi-Liebhaber immer wieder Momente des Staunens, der Neu-Entdeckung und vor allem der Bewunderung. Manchmal hat man das Glück dazu eingeladen zu werden, so wie es mir wiederfahren ist kürzlich. „Das sollten sie unbedingt hören“ war die einfache und – wenn der oft bewährte Nuggetfinder Bernhard Mesicek der Anrufer ist – unwiderstehliche Botschaft. Noch spannender wenn man den Namen des Herstellers noch nie gehört hat. Lejonklou, nicht aus Frankreich sondern Uppsala in Schweden. Ein relativ junger Entwickler der mit Linn und Naim aufgewachsen und daher von Anbeginn der Musikalität verfallen war.

Leonklou Boazu Verstärker

Weiterer Teaser: Nach zwei Monoblöcken und einem Dual-Mono (sic!) Vorverstärker wollte er seine Qualität auch in einem etwas preisgünstigeren Vollverstärker verwirklichen. Und dass Herr Lejonklou keine Scheu vor radikalen Lösungen hat, zeigt der erste Anblick des „BOAZU“ getauften Integrated Amps. 3 Tasten schmücken die Front, + und – zum Regeln der Lautstärke und MUTE. Aus! Kein Regler zum Drehen, keine Eingangswahlschalter, gar nix dergleichen! Dabei hat der BOAZU vier Auxeingänge. Pro Seite, denn klarerweise für Lejonklou ist das Gerät ebenfalls streng Dual Mono gebaut.

Rückseite Boazu Leonklou

Beim Weglassen klangverschlechternder Komponenten und Signalwege wurde nämlich ein neuer Weg gewählt, alle 4 Eingänge sind zusammengeführt und daher „always on“ und müssen/können so nicht umgeschaltet werden. Am Ausgang liegen bis zu 40 Watt pro Kanal, wie es sich herausstellte genug um auch relativ leistungshungrige Lautsprecher wie die große Manger zu bespielen. Und wie!

Ich gestehe es passiert nicht oft, dass schon die erste Platte das Lächeln ins Antlitz holt, aber beim Lejonklou BOAZU war genau das der Fall. Klarheit ist ein Hilfsausdruck für die geradezu endlose Räumlichkeit des BOAZU-Klangs, dem gleichzeitig jede Härte oder Schärfe fehlt, solange sie nicht gefordert wird vom Musiksignal. Autorität und geradezu muskulöse Kontrolle des Tiefbassbereiches, von ungewohnter Sauberkeit und Trennschärfe gleichzeitiger Tiefbassevents , wie etwa dem unteren Register von Patricia Barbers Klavier im Zusammenspiel mit dem Kontrabass auf „Blackbird“. Druckvoller geht „Children of Sanchez“ kaum, selbst bei großer Lautstärke, und hier würde niemand 40 Watt am Werk vermuten. Ja klar, Metalhammerfetischisten und Headbanger könnten mit dem BAZOU an die Grenze stoßen, aber die würden auch die Feinstrukturen nicht schätzen, die hier offen gelegt werden. Nüchtern bis ins kleinste Detail, aber gleichzeitig von einer Farbigkeit und Klangopulenz, die z.B. Milos Karadaglic Lautengitarre zum Weinen schön erklingen lassen. Und bei „My Favorite Things“ von Frau Youn Sun Nah hört man nicht nur die Metallzunge ihres Afrikanischen Daumenklaviers, sondern auch das Holzkistchen des selben. Atemberaubend.

LejonklouNun gut, mit Kabeln um den mehrfachen Preis des Verstärkers und perfekt eingestellt von Mister Allegro klingt jede Aufnahme überzeugend, wie wäre das aber im Wohnzimmer zu Hause? Zweiter Testdurchlauf also beim HighEnd Kumpan, der mit allem was NAIM an Vor-Endverstärker und Zusatznetzteilen zu bieten hat seine Russel K Boxen R 150 betreibt. Auch hier kann der 3000.- Euro teure BOAZU auf Anhieb die anwesende Schar von Experten mit seiner Räumlichkeit und Durchsicht überzeugen. Interessant die Tatsache, dass hier die Polung des Netzsteckers deutlich zwischen richtig und verkehrt entscheidet. Auch die erste halbe Stunde muss gewartet werden, bis die Sonne so richtig aufgeht und in aller Schönheit strahlt. Die Bassmächtigen Russel K sind voll im Griff des BOAZU, rollender Bass wie etwa die große Surdo Trommel bei der Misa Criolla tut das gepflegt wie selten. Dass die NAIM Kombi vielleicht noch einen Hauch harmonischer klingt, darf bei einem Preis Unterschied von 400% durchaus als erwartbar gebucht werden, in Sachen Durchhörbarkeit und „Air around the instrument“ gewinnt Lejonklou allerdings sicher.

Wenn schon denn schon, aller guten Dinge sind 3, also muss der junge Schwede seine Qualität noch an alten Schweden beweisen, und zeigen wie er mit meinen Rauna Ymer Lautsprechern aus dem Hause Opus 3 zurecht kommt. Deren serielle Frequenzweiche und legendär offenen Mitten passen gut zum Testen feiner Mikrostrukturen. Sagte ich schon das Wort „Natürlichkeit“, und „Luftigkeit“? Hab ich erwähnt, dass die Musik für mich noch nie so aus dem schwarzen nichts aufgetaucht ist wie diesmal?

Und vor allem: Dreht man die Lautstärke stark nach unten bleibt ALLES vorhanden, jedes feinste Zwirbeln der Besen, der Farbrausch eines gehämmerten Pianos, das Holz der Klarinette, nichts geht verloren. Noch eine Entdeckung: Nie zuvor hat OE1 in DD Qualität aus der UPC Box so überzeugend geklungen, die neuen Signations klingen offen und präzise (jedoch leider immer noch überzüchtet, aber das ist eine andere Geschichte).

Ist der Lejonklou BOAZU also der neue Wunderwuzzi? Nein, dafür fehlt ihm für Hardrockbuddies das letzte Quentchen Gewalt. Das fehlen eines Balancereglers hat mich ein paar Mal genervt, ebenso die doch mannigfaltigen Hinweise zur Vorsicht im Umgang. Der BOAZU ist ein rassiges, feinfühlendes, kraftvolles Rennpferd, ein Araber unter den Verstärkern. Pure Lust, offen wie die Weite der Prärie, weitsichtig wie ein Adler und so neutral, dass er anfangs fast harmlos klingt. Allerdings ist das Zurückwechseln auf die anderen Verstärker auch wahrlich grausam. Oder wie der Wahlspruch aller HighEnd Freaks nach Frank Zappa lautet: „The Torture never stops“.

Mit 3k in Euro lässt sich zumindest diese Qual beenden. Daran denke ich die ganze Zeit.

 

 

Die Abwesenheit der Kunst der Präsentation – HighEnd 2017 München (1)

Für die 20 000 Besucher der HighEnd Messe in München ist es jedesmal eine Herausforderung: Mehr als 400 Aussteller die über 900 Marken repräsentieren in 4 Hallen mit bis zu 3 Stockwerken und Hunderten von Vorführräumen. Nachdem die HighEnd DIE weltweite Leitmesse der Branche ist, bleibt den internationalen Distributoren, Händlern und Besuchern nichts anders übrig als mit straffem Zeitplan Stand für Stand abzuchecken, keine Zeit für Blah blah oder Banalitäten.

Man könnte nun annehmen allen Ausstellern wäre das bewußt, sie bereiten sich gut vor, suchen gut geschultes Personal aus um die Produkte vorzuführen, deren Entwicklung und Herstellung Monate wenn nicht Jahre in Anspruch genommen hat. Wäre nur fair gegenüber Entwicklern und Publikum.

Oh contraire!

Unsere Reise durch die Welt des HighEnd begann aus zwei Gründen bei Magico: Erstens ist das der Raum, vor dem sich später die längsten Schlangen bilden, gilt dieser Hersteller doch als das Nonplusultra der Lautsprecherkunst. Und zweitens genau deshalb wollten wir uns die Referenz setzen um andere Vorführungen dazu in Bezug zu bringen. Magico hat wie alle Hersteller einen mehr als mäßig geeigneten Raum zum vorführen, muss also mit den gleichen Randbedingungen zurecht kommen, die andere als Entschuldigung hernehmen.

Wir hätten ja gerne gehört, mussten aber vorher noch einen Herren ertragen, der doch tatsächlich über die Unzulänglichkeit von dünnen MDF Platten referiert, und dann noch mitteilt dass bei der neuen S3 MK2 nicht nur die Lautsprecher sondern auch die Frequenzweiche überarbeitet wurde. Sensationell, wir dachten die alte würde es noch tun. Sind wir bei Nubert? Dass er das alles in Deutsch von sich gab, war für das Gros der internationalen Gäste – die genauso viel deutsch sprechen wie die deutschen Besucher der Warschauer HighEnd Tage polnisch – eher von Vorteil, für das Renommee des Ausstellers allerdings eher ein peinlich. Ist Deutschland wirklich noch so wenig sensibel um internationale Sprachregelungen einfach zu ignorieren? Und ja, natürlich, die S3 klingt göttlich in der MK2 Version, die beiden schlanken Kisten scheinen keinerlei Bedeutung zu haben, der Klang der hier bereits erwarteten „Dead can Dance“ CD erscheint dazwischen dahinter und rundum, so selbstverständlich dass niemand auch nur auf die Idee kommt über Bässe Mitten und Höhen zu diskutieren, es ist alles einfach da so wie es gehört. Punkt.

Auch der nächste Referenzpunkt, die Neuvorstellung von „The Ones“ bei Genelec, war nicht gerade ein Leckerbissen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Die neuen Modelle klingen geradezu verblüffend großartig trotz sehr sehr kleinem Gehäuse, in das ein konzentrischer Mittel/Hochtöner, zwei Basslautsprecher und vier Endstufen Platz finden. Aber HighEnd-Menschen hätten doch gerne gesehen, welche Quelle, welcher DAC, Preamp oder sonst am Werk beteiligt sind. Und ein bißchen mehr Achtsamkeit der Auswahl wäre auch ganz gut .

In Bezug auf Achtsamkeit sollte uns aber im nächsten Raum ein neuer Tiefpunkt erwarten. Der Herr bei Focal will nicht enden in seinen mit Null Information gespickten Betrachtungen, weil wir aber schon soo gespannt waren, entschliessen wir trotzdem durchzuhalten.  Hätten wir nicht machen sollen! Entblödet sich der Mann doch ernsthaft eine wirklich ganz üble Live-Aufnahme des Pippi Langstrumpf Liedes zu spielen !!! Leute die mich kennen wissen wie sehr ich „eklektische“ Musikauswahl zu schätzen weiss, wenn sie einem guten Zweck dient oder auch nur irgendwas überraschend darstellt. Hier aber war eine lausige Band, völlig verwaschener Applaus und keinerlei Definition zu erleben. So schlimm war Focal noch nie, obwohl sie immer schon enttäuschend vorführen, was ich den Entwicklern gegenüber als wirklich skandalös empfinde.

Eine ganz andere Form der Enttäuschung liefert dagegen, ebenso traditionsgemäß, PMC aus England. Diese Jungs präsentieren ihre Lautsprecher wie Götter, mit einer intelligenten Mischung der Stile, Epochen, und Varianten musikalischer Großartigkeiten. Nur ist leider die Optik so unfassbar inkompatibel mit einem Wohnzimmer, dass selbst ein Klang der Magico nervös machen könnte, nie und nimmer den Weg in private Gemächer finden wird. Der Leichenberg nach einem Versuch über diese Schwelle zu kommen wäre  inakzeptabel groß.

Bevor wir uns im Teil 2 den schönen Dingen der Messe widmen, leider noch ein weiterer Fall von Wiederholungstäter. So wunderbar wären die Geräte nach dem Relaunch, nicht nur in optischer Hinsicht. Der ehemalige Ruf einer der Wegbereiter von HiFi zu sein, könnte erneut zurecht in Anspruch genommen werden. Aber es will der Firma Technics einfach nicht gelingen auch nur die allernotwendigste Vorführkenntnis aufzubringen. Ich wollte wirklich meine Kritik widerrufen, Technics preisen und Frieden suchen . Dass die Vorführkabine fast leer war, kann man bereits als Vorahnung schlimmer Dinge ansehen. Dass es einem Vorführer gelingt 3 mal hintereinander den gleichen SoftJazzRockSingerSongwriter- Käse zu spielen ist schon ein starkes Stück. Selbst die verdrehten Augen der wenigen Besucher wurde erfolgreich ignoriert, gnadenlos folgt Langeweile auf Langeweile. So wird es nix werden, liebe Freude von Technics.

Und bevor Sie oder andere mit Argumentation a la „Da haben sie einen schwachen Moment erwischt, sonst wars immer besser“, oder „ Die Musikgeschmäcker sind eben verschieden“ ausweichen wollen: das gilt nicht. Jeder Besucher beurteilt Ihre Marke nach den 10 Minuten die er bei Ihnen verbracht hat, und mehr hat er leider kaum, da noch ein paar hundert andere warten.

Der Letzte Negativ-Award geht aber an die Organisation der HighEnd Messe. Nicht dafür, dass der Anreise-Stau immer wieder gigantische Ausmaße annimmt, dafür hat die offenbar auf Urlaub befindliche Verkehrspolizei grade zu stehen. Vielleicht könnt ihr Ihnen einmal einen Tipp geben. Nein, der Preis für den gröbsten Schwachsinn gebührt Ihnen für die Idee ein Saxophonquartett als Pausenfüller zu engagieren. JEDEM auf dieser Messe brummt der Schädel nach ungezählten Demos, oft weit über erträglicher und sinnvoller Lautstärke. Jeder möchte sich auf dem Gang ausruhen, ein paar Worte wechseln mit lange nicht gesehenen Buddies, oder das gerade gehörte nochmals durchsprechen mit allem Für und Wider. Und NIEMAND will dabei Saxophonquartette im Genick haben. Ich halte es besonders auch gegenüber den hervorragenden jungen Künstlern für eine Zumutung sie so deplaziert zu engagieren.

Aber lasst uns nun zum Wahren, Guten und Schönen wechseln in Teil 2.

Momente der Glückseligkeit – HighEnd 2017 München (2)

Beginnen wir den angenehmen Teil wo wir Teil 1 gerade verlassen haben, bei Matsushita aka Technics/Panasonic. Im Unterschied zu den HiFi Kollegen war nämlich die Präsentation der TV Geräte großartig. Ein überaus kompetenter Berater, offen und ehrlich, Kenntnisreich in den aktuellen Modellen genauso wie denen der abgelaufenen Jahre, unaufgeregt, zuhörend, Herz was willst du mehr. Dass er auch bei Audio firm war ergänzt das Bild. Die Demofilme von aussergewöhnlicher Delikatesse, alles perfekt eingestellt und nachvollziehbar. Sorry Sony und Samsung, für dieses mal habt ihr verloren, we go for Panasonic.

Wenn wir schon von unaufgeregt wunderschön sprechen, kommt Manger ins Spiel. Klarer Sound in exzellenter Verpackung, eine Präsentation, die fast zu unaufgeregt war, aber jedes Wohnzimmer danach lechzen lässt. So muss HiFi um im Jahr 2017 wieder zum Zug zu kommen . Und wenn wir schon von wunderschön sprechen kommt auch sofort Alluxity aus Dänemark in den Sinn und dazu einer der ersten absoluten Höhepunkte der HighEnd 2017, die gemeinsame Performance mit Joseph Audio. Ich hoffe sie kennen das, man wird konfrontiert mit einem Song der hundertfach rauf und runter zu hören war und trotzdem ist es so als wäre zum ersten Mal erlebbar wie schön diese Aufnahme wirklich ist, wie herrlich farbig der Coal Train von Hugh Masekela daher dampft, wie hart die Gitarre geslapt wird und wie warm die Stimme ist im Vergleich zur goldig klingenden Trompete. Um alle nun vollständig zu verwirren: Der Tonträger war ein Tonband diesmal, offenbar eine Art Masterband-Kopie ungeahnten Klangreichtums. Solche Momente sind es die uns das HighEnd leben so wünschenswert machen.

Naim war wieder einmal mit Britischem Understatement zugegen in der Art „ Wir brauchen euch nix hören zu lassen, ihr wisst wie gut wir sind“. Boenicke hingegen zeigte auch diesmal in einem riesigen Raum wie man mit winzigen Lautsprechern den Saal füllen kann mit Musikalität und Freude. Wollen wir aber zurück kommen zum Thema Präsentationen.

Gauder erfüllte wieder einmal alle Vorraussetzungen edelster Präsentationskunst in Person von Thomas Hintze. Wie dieser Mann aufmerksam neben der Anlage sitzt, akribisch die Reaktion des Publikums checked und darauf hin den nächsten Vorführhit landet ist schlicht und einfach sagenhaft, große Klasse.
Große Klasse auch wieder einmal von Joseph Lavrencik, dem CEO von Critical Mass Systems. Die Hingabe mit der der Meister einen schlichten Vorgang des Umsteckens eines Lautsprecherkabels erledigt ist so als würde bei Tiffany der Koh-I-Noor neu gefasst. Die LP oder CD in seiner Hand signalisiert schon beim Auf- bzw. Einlegen: Hier kommt das Wunder Musik zu euch, liebe Gemeinde, auf das ihr erlöst werdet. Amen.

Mit übergroßer Freude geht auch Vince Bruzzese von Totem Acoustics Canada seit vielen Jahren ans Werk, spielt dass es geradezu Freude macht, und wenn man meint besser gehts nimmer, leiten die Worte „lets play some more dynamic sound“ eine Phase ein, bei der a) die Lautsprechermembrane fast 5 cm weit aus dem Gehäuse lugt, b) dem Verstärker signalisiert wird, doch bitte ein paar Ampere mehr zur verfügung zu stellen und zwar urplötzlich, und c) der Klang überraschenderweise nicht den geringsten Stress vermuten lässt und absurdeste Pegel locker über sich ergehen lässt. Dabei dreht Vince dann noch die Lautsprecher wie wild hin und her um zu zeigen wie wenig kritisch die Aufstellung ist . Großes Kino.

Nur ein Mann war noch besser, nicht großes Kino sondern große Bühne in Shakespearischer Manier. Dabei hatte der über das wohl langweiligste Teil einer HiFi-Anlage zu berichten, die Netzverteiler samt Strom- und Spannungsfilter. Und wer jetzt glaubt das wäre mit einem Satz zu erledigen ist völlig falsch. Eine unterhaltsame und informative halbe Stunde lang, zeigt Garth Powell, AudioQuest Direktor für Power Products wo der HiFi Bartl den Most holt. Inhaltlich hochinteressant, populärwissenschaftlich aufgelöst, Drama wie eine Königin und 4 Musikbeispiele von „ohne“ bis „wenns sie es sich noch leisten können haben wir auch das“. Die einzige Frage die bleibt ist, wie überrede ich meine Bank den Kreditrahmen zu erhöhen für den Ankauf.

Womit wir auch zum Höhepunkt kommen der diesjährigen HighEnd München und ich freue mich sagen zu können, der war diesmal österreichisch. Audiodata aus Salzburg konnte mit einer absolut edlen schlichten Präsentation zeigen wie weit die Perfektion ihrer Kette aus ToneArt Plattenspieler, Soulution Elektronik und Art One Lautsprecher gediehen ist. Meine Hochachtung, Salzburger Klangfestspiele internationalen Formates.
On Top aber war für uns diesmal die Wiener Lautsprecher Manufaktur. Den von sich und seinen Musikkenntnissen ein wenig zu sehr überzeugten Präsentator wollen wir einmal vergessen, mitsamt der dritten Reihe der Komponisten die er uns nahe bringen wollte. Aber der Klang ! Luftig, leicht, Feenhaft zu Beginn, musikalisch bis in die Knochen. Zugleich aber eine unbändige Klanggewalt der große Geste, die Richard Wagner die Tränen in die Augen getrieben hätte, dem Herrn Karajan sowieso. Wie bei Magico geht hier die Wiedergabe weit über Frequenzgang und Amplitude oder THD hinaus, hier spricht der Musikvereinssaal zu uns oder das House of Rock, wir sind Live at the Roxy oder im Wembley Stadium. Oder bei 2L in der Kirche, wenn sie wissen was ich meine. Der Preis für Best of Show gebührt damit meiner bescheidenen Meinung nach dieses Jahr WLM. Wenn die noch eine Distribution zustande bringen, regieren sie die HighEnd Welt.

Teil 3 der diesjährigen Berichterstattung ist eher starker Tobak, da werden Grundfesten erschüttert.

Das Ende der Spikes! – HighEnd München (3)

Die HighEnd in München hat in ihren besten Momenten nicht nur Bestätigung von bereits gut bekanntem zu bieten. Dass der bereits etwas betagte Alt Jouk Van den Hul noch immer besser vorführen kann und mehr weiss als die meisten Youngsters zB. ist nicht neu, dass KEF tolle Präsentationen hat die immer total voll sind ebenfalls nicht.

Aber wer kennt  Kawero Lautsprecher von Kaiser in Deutschland ? Oder die Kondo Verstärker dazu. Sollte man aber wie uns die Messe heuer gezeigt hat. Sensationell musikalische Performance in geradezu unaufgeregter Selbstverständlichkeit, die sonst nur bei absolute Topmarken zu finden ist. Das „So muss es sein“ Gefühl kommt wieder mal hoch, das wir zuletzt bei Magico im Bauch gespürt haben.

Oder sind schon genügend Leute mit Lyravox bekannt? Wäre auch ein Muss, denn diese Jungs machen so viel richtig, dass nicht nur ein Fachgespräch sehr interessant verläuft, sondern der Beweis gelingt dass man mit viel DSP auch musikalisch bleiben kann und nicht erkalten muss, wie kürzlich hier zu lesen war. Unter dem altmodischen Titel Stereomaster SM3  bietet Lyravox ein Wandmodul an, dass der Wohnung von Elvis Presley sicher gut getan hätte, optisch und akustisch. Und dass die anderen Lautsprecher im Programm Anleihen beim Design der großartigen Förster Audio Speaker genommen haben, wärmt angenehme Erinnerungen auf, die fast vollständig bestätigt werden durch den hervorragenden Klang.

Schöne Erinnerungen an zu Hause boten auch die Leute von Concrete Audio an, deren (Sicht-)Betonboxen in ihrer grauen Schlichtheit überzeugen konnten. Nicht ganz so wunderbar in den Mitten wie meine Rauna Ymer aus dem Opus 3 Stall zu Hause, aber durchaus ein überzeugendes Beispiel dass hervorragende Optik mit ebensolchem Klang zu paaren ist. Kann das bitte wer an B&O weitersagen 😉 !

Und dann war da noch ein kleiner unscheinbarer Stand in Halle 3, der nicht nur mein Weltbild gehörig durcheinander gebracht hat. Max Townshend von Townshend Audio, ein britischer Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, setzt letztere ein um uns vorzuführen wie Vibrationen vom Boden den Lautsprecher der auf Spikes steht irritieren; aber auch wie langsam Impulse der Lautsprechergehäuse durch die fest mit dem Boden gekoppelten Spikes abgebaut werden.  Wundermittel dagegen sind entweder genial konstruierte Balken, welche durch extrem tief abgestimmte Federungen die Lautsprecher fast völlig isolieren und in Schwebe halten. Oder man nimmt gleich eine gefederte Platform und platziert  schwere HighEnd Lautsprecher darauf. Je schwerer die Boxen , desto besser wirken die Townshend Isolatoren nämlich. Paul Messenger , einer der Päpste der HiFi-Presse aus UK, und früher einer der Spike Adepten, hat seine 96 kg schweren B&W 800 so gelagert und ist aus dem Schwärmen kaum herausgekommen nach 3 Nächten im Keller.

Hier ein Video von Townshend:

Um den Schock zu verstehen: Bisher habe ich gelernt dass die Aufstellung des Lautsprechergehäuses stabil sein muss um die Relativbewegung zwischen Membran und Magneten exakt zu halten, daher Boxen auf Spikes, macht alles stabil und die Abbildung klarer. Ist aber anscheinend so nicht richtig. Der Grund warum zB. die eigene HiFi-Anlage mitten in der Nacht am besten klingt, könnten das Fehlen der Microbewegungen sein, wenn die Stadt zur Ruhe kommt.

Nachdem die Townshend Bars für zwei Lautsprecher fast 1000.- Englische Pfund kosten sollen, wollte ich die Theorie vor dem Kauf zumindest ansatzweise selber probieren. Also ab in den Baumarkt, eine Rolle Luftpolsterfolie erstanden, ca 20 Lagen davon zusammengelegt und unter die 38 kg schweren Lautsprecher zu Hause gelegt. Meine Güte, das bringt’s aber sowas von! Leider ist nach ein paar Stunden die Luft aus der Folie entwichen, aber bis dahin war folgendes zu hören: Mehr oder besser gesagt präziserer Bass ! Eine neue Leichtigkeit und Ablösung des Klanges von den Boxen, die süchtig macht. Alles wirkt besser aufgefächert und konturierter, man erkennt viel einfacher Aufstellungen auf der Bühne oder im Studio. Wie schreibt Jason Kennedy so schön in HiFi Plus: „This is not an accessory. It’s an essential“.

Dass Townshend auch Supertweeter herstellt sei nur am Rande erwähnt , nachdem was wir bisher dort gelernt haben, sollte das sehr interessant sein, denn der Max Townshend ist ein ganz großes Genie!