hfvienna

Über Reinhard Haberfellner

http://www.haberfellner.net/mein-weg/

Klangbilder 2017 Teil1: Das lachende Auge

Der diesjährige Report teilt sich in good and bad News, sozusagen ein lachendes und ein weinendes Auge. Damit die wunderbaren Produkte die uns diesmal das Hören verwöhnt haben nicht in den Schatten der eher allgemeinen traurigen Betrachtungen kommen, beginnen wir positiv.

 Longtone: Großes von den Kleinen

Meister Franz Lamparter bot diesmal internationalen Besuch von NEAT um die neuen IOTA Explorer

IOTA Lautsprecherserie

IOTA-Alpha und Explorer

vorzustellen, eine etwas größere Variante des IOTA Alpha Wunderzwerges. Wie auf unserem Bild ersichtlich schaut die IOTA Serie ganz anders aus, als Lautsprecher bisher das zu tun pflegten, geschuldet ist das dem Ziel in Punkto Aufstellung extrem flexibel zu sein , und einen hohen WAF (Woman Acceptance Faktor) zu bieten . Aber man muss keine Frau sein um an der IOTA Gefallen zu finden , die klangliche Breite ist äusserst großartig , ordentliche Elektronik und Quelle vorausgesetzt röhrt auch ein Steinway in Originalmacht daher, den geradezu mächtigen Bass dürfte der heilige Geist beisteuern , normalerweise kann er aus so winzigen Gehäuse nicht kommen , nämlich stark UND trocken.  In Bezug auf Kohärenz des Klangbildes war die kleinere Alpha fast noch runder als die neue Explorer . Sicher einen beachtlichen Anteil an dem Genuss hatte natürlich die NAIM Elektronik davor, das geradezu erotische Volume-Rad der Muso Serie gibts jetzt endlich auch auf dem Amp bzw. dem All in One Player. Muß man sich einfach mal ansehen und vor allem selber drehen . 🤭   Der kleine IOTA Alpha kostet übrigens ca 1800.- das Paar, gemessen am Ergebnis ein Schnäppchen.

Hey Big Spendor!

Unweit von Longtone rockte ein anderer Longterm-Champion das Haus, bei Stefan Huber von der Sound Gallerie war diesmal ebenfalls leistbar die Devise und die neuen Spendor A4 fegte die am Freitag Gottseidank noch nicht dargebotenen Schnitzel vom Teller, dass es grad so seine Bewandtnis hatte. Oida! Spendor 80Mit geschossenen Augen hätte man die Größe der Box auf das doppelte geschätzt, den Preis fast ebenso. Schwer denkbar dass derzeit um 1400.- /Stück besseres zu finden ist mit der kombinativen Gabe hochdynamisch und feinsinnig Musikalisches darzubieten. Auch die Elektronik von Advance Acoustic aus Frankreich eine preiswerte Sonderklasse, Vollverstärker mit 2 mal 160 Watt an 4 Ohm und eingebautem DAC bis 192 kHz  um sage und schreibe 1290.- Euronen. Freunde des optischen bekommen sogar zwei Riesen-VU Meter dazu, man will ja den Kumpanen was herzeigen.

Bleiben wir beim Schönen
und schwelgen wir in Erinnerung an den Boenicke Raum, in dem schlicht Großartiges geboten wurde, obwohl es ein verwinkeltes Horrorzimmer war.

Boenicke - Innen und aussen wundervoll Boenicke at its bestMit dem warmen Brüten der Tuben von New Audio Frontiers entfalteten die hochkomplex designten aber äusserlich schlichten Schönheiten von Boenicke eine Bühne wie im Burgtheater, auf geschätzten 5 Quadratmetern! Streichinstrumente offenbaren ihre Dualität aus mit Pferdehaar gestrichenen Darm- oder Stahlsaiten und wärmenden Holzresonanzböden, einfach zum Niederknien schön, alles geordnet, aufgeräumt, farbfunkelnd wie ein Diamant aber wenn nötig weich wie ein Hermelin-Manterl. Preislich sind wir dem auch wesentlich näher als der vorher erwähnten Sonderpreiskategorie, aber einen einfachen Geschmack wie Oskar Wilde zu haben* war schon immer etwas aufwändiger.

Den Vogel in Sachen Klangwolke Bushgetta AirInnovation hat auch diesmal wieder Meister Bushgetta abgeschossen, dem es mit seinem

Stereoanlage einmal anders

Ein Koffer voller DSP , WAF =0

Bastlerkoffer voller Digital Signal Prozessoren gelungen war aus zwei Holz-Wölkchen an der Decke ein durchaus anspruchsvolles Klangbild zu erzeugen. Zielgruppe sind hier Lokale , deren Musikanlage elektrisch üblicherweise nicht einmal unter dem Begriff Fastfood zu subsummieren ist. Wenn diese Mistküberl ersetzt werden durch die Bushgetta Air-Wolke könnten auch unsere Ohren mit Vergnügen schmausen.

Meisterwerkstatt

Dass die Wiener Lautsprecher Manufaktur zur weltweiten Spitzenklasse zählt, dürfte mittlerweile jeder wissen. Im Bestreben auch Kundschaft bedienen zu können, deren Wohnzimmer nicht in Hektar gemessen wird, war quasi Minuten

Jessas Maria, klingt das göttlich! Bild: ©Martin Wiesinger


vor Eröffnung der Messe die Maria zu uns herab geschwebt, eine äusserst aktive Dame mit 4 Weg Technik. Der Klang ist einfach beschrieben: Wiener Lautsprecher Manufaktur Klang – also „alles“, bestens, unaufgeregt, perfekt, laut wie leise, aber eben aus einem viel kleineren Lautsprecher diesmal. Muss man hören, wenn man ernsthaft Lautsprecher kaufen will. Begleitet wurde die hauseigene Elektronik von einem „lokalen Streamer“ der Firma „Digitale Audio Systeme“ dessen Unique Selling Point perfektes Tagging und ein neues User Interface sein soll, das an LP blättern erinnern wird. Zu sehen war das übrigens bei der Vorführung nicht ?!? Ja die Kunst der Präsentation war auch in Wien nicht immer anwesend. Bevor wir aber zu den ernsten Problemen kommen noch ein letztes Highlight.

Höhepunkt Nr2 audiophiler Golden Master Aktivität war nämlich wieder einmal ein ebenfalls langjähriger Freund der Szene, Wolfgang Paltauf, älteren Highendern noch als Mr. LOG bekannt. Für Wolfgang Paltauf geht es ja in der Realisierung verschiedendster  Verstärker- und Lautsprechermodelle darum das letzte Quäntchen an Musikalischer Information freizulegen, zu hören ob alles da ist und nichts fehlt und das zu erwartende dann auch klar und ungeschminkt zu präsentieren. Um den Quellen von Vinyl über CD und HighResFiles sozusagen stethoskopisch auf den Puls zu fühlen , bedient sich ein Mann seiners Formates zuerst einmal eines optimalen Wandlers in Form des Stax Kopfhörers. Für den man sich – natürlich – kurzentschlossen den optimierten Verstärker dazu bauen muss. Und alle die das Vergnügen hatten ins Allerheiligste vorgelassen zu werden , konnten sich überzeugen : Wolfgang Paltauf hat das akustische Rasterelektronenmikroskop verwirklicht und kann bei Geigenvirtuosen die Rasse des Pferdehaares bestimmen. Oder den Holzwurm im Musikverein husten hören. Wer jetzt meint , das wäre das Pendant zum AUDI Halogenmörderscheinwerfer hat sich getäuscht. Nix grell, nix scharf , nix überbelichtet, nur „genau“, so viel Raum dass man einen Teil davon fast weiter vermieten könnte. Soviel Luft rund um die Instrumente, dass die Notenblätter festgehalten werden müssen. Mit diesem neuen Tool werden nun zu entwickelnde Lautsprecher verglichen, Verstärker überprüft und damit ist auch in Zukunft Aufregendes aus dem Hause Paltauf zu erwarten.

Über weniger angenehm „Aufregendes“  zum Thema Klangbilder 2017 berichtet in Kürze Teil 2 .

 

 

*  “I’m a man of simple tastes. I’m always satisfied with the best.” Oscar Wilde

 

Ganz mein Geschmack – Ikea serviert HiFi der Spitzenklasse

In aller Kürze: Ich habe eine neue HiFi Anlage, um 50 .- €.

Jetzt höre ich meine werten Leser sagen: HF wundert sich nicht mehr, er spinnt jetzt total. Auch wenn sie vermuten ich hätte mir eine der Bluetooth-Plastikbüchsen gekauft und so meinen Musikgenuss auf Jahre hinaus vernichtet, liegen Sie falsch.

Aber gekauft hab ich was, nämlich 3 Hackblöcke aus Bambusholz und 6 Untersetzer aus Kork.  Bei Ikea. Also eigentlich sind es ja Schneidbretter. Nein , ganz eigentlich sind es perfekte Basen für HiFi-Komponenten. Wie schon vor mehr als 3 Jahren im Audio Beat Blog zu lesen war und später auch in Fidelity Online aufgeriffen wurde, sind die Bretter aus Bambusholz von Beginn an als perfekte Basis für HiFi-Komponenten entworfen worden und zwar von Jon Karlsson. Ein Schwede also wieder einmal. Ich gestehe beide Artikel  damals verpasst zu haben und erst Norbert Loderer, einer der beständigsten HiFi-Enthusiasten Österreichs, hat mich mit einer praktischen Anwendung dieser Unterlagen überrascht.

3 Schichten Bambus verleimt

Wieso eignet sich das APTITLIG Brett so hervorragend als Unterlage und warum brauchen wir sowas überhaupt? Elektronische Geräte werden üblicherweise von äusseren Vibrationen geschützt auf Gummifüßchen platziert. Damit ist aber den Vibrationen, die im Gerät entstehen, zB durch Trafos, die Beschallung durch die Lautsprecher etc. nichts entgegengesetzt. Absaugen kann man solchen Vibrationsenergie am besten mit zähem, harten und langfasrigen Holz, das in 3 Schichten in unterschiedlichen Richtungen zueinander verleimt wird. Schneidet man noch eine Rinne hinein, ist das ganze auch als Brett für die Küche zu brauchen und so in großer Stückzahl zu verkaufen. Preis pro Stück ca 15 €.  Mit 45 cm Breite und 36 cm Tiefe hat es bei 3 cm Dicke immerhin fast 4 kg Gewicht.

Zum Gerät hin , egal ob Vor- oder Endverstärker , CD Player oder DAC soll die Verbindung starr und perfekt sein, also Kegeln aus Metall , Kugeln aus Keramik oder ähnliches. Hier soll ja die Energie gebündelt in den Vibrationssumpf abgeleitet werden. Darunter allerdings soll meiner Erfahrung nach eher gedämpft werden , um nicht die Vibrationen vom Regal, Rack oder Boden hinauf zu leiten. Nachdem IKEA ja eine große wundervolle Küchenabteilung hat, sind dort Korkuntersetzer im Programm die bestens geeignet sind dafür , 3 Stück pro Brett . Beim Kreditantrag bitte noch den Kostenpunkt von 99 Cent für 2 Stück einrechnen. 😉 Wem das zu profan ist, der kann auch Oehlbachs Gummihalbkugeln, oder andere Vibrationsdämpfer dafür benutzen.

Untersetzer aus Kork um 1 €

Also wenn mir jemand eine Verbesserung des Klangbildes verspricht um unter 50.- bin ich normalerweise unterwegs um das selber zu probieren. Ehrlich gesagt war ich skeptisch, hab mich davor gefürchtet nun wieder tagelang probieren zu müssen, ob man das hört oder eher nicht; aber nachdem es schön aussieht sollte es auf alle Fälle ein Gewinn sein. Nicht vorbereitet war ich auf die Wucht der Veränderung. Im Clickbait Jargon würde man sagen : „Was dann passierte war unglaublich … “

Meine schon etwas betagte LINN Wakonda , Linn 140 Kombination spielte plötzlich saftig und kraftvoll, als hätt ich sie mit Potenzpillen versorgt. Der Klang war völlig frei von den Lautsprechern, ausgefächert wie im Breitwandkino. Bei „Morph the Cat“ von Donald Fagan geht es so spritzig zu. als wäre meine YMER’s nicht aus Beton sondern aus Melonensaft. Dabei wird die  Präzision der Höhen noch genauer, die Tiefenstaffelung deutlicher und die innere Dynamik des Klanges logischer als je zuvor. Der Bass ist sauber und klar als wäre der Bazou von Leonklou noch bei mir, dabei aber stark  als hätte ich mir die neue Masters von NAD geholt.

Aptitlig der mittlere

Aptitlig der mittlere

Zudem kommt alles springlebendig und frisch auf den Tisch, und kein Mensch kommt auf die Idee dass alle Komponenten schon viele Jahrzehnte brav ihren Dienst versehen. Für die viel leichtere UPC Box, die mir OE1 in Direkt Quality nach Hause liefert, reicht meines Erachtens übrigens der mittlere Bruder des Aptitlig-Trios aus, da wäre das 3,5 kgBrett zu schwer zum absaugen der bösen Vibes.

In nächster Zeit wird also die Mediathek nochmal von vorne durchgehört, Tidal wieder strapaziert mit neuesten MQA Aufnahmen und noch etwas ist plötzlich klar: Kabeltests werden einfacher, weil klarer zu hören ist was geht und was nicht. Diverse Kegeln aus Kupfer, Ebenholz und Titan werden zeigen müssen wie gut sie ableiten ins Wunderbrett APTITLIG. und vermutlich werden auch diverse Gummi-, Plastik-, und Gel-Dämpfer das Abkoppeln unterhalb des Brettes vorzeigen bzw. herhören müssen. Ich hab ja jetzt einen neue Anlage die Hörversuche lohnend macht .

 

„Ja, natürlich“ oder Lejonklou und die Perfektion der Simplifizierung


Es gibt auch für langjährige HiFi-Liebhaber immer wieder Momente des Staunens, der Neu-Entdeckung und vor allem der Bewunderung. Manchmal hat man das Glück dazu eingeladen zu werden, so wie es mir wiederfahren ist kürzlich. „Das sollten sie unbedingt hören“ war die einfache und – wenn der oft bewährte Nuggetfinder Bernhard Mesicek der Anrufer ist – unwiderstehliche Botschaft. Noch spannender wenn man den Namen des Herstellers noch nie gehört hat. Lejonklou, nicht aus Frankreich sondern Uppsala in Schweden. Ein relativ junger Entwickler der mit Linn und Naim aufgewachsen und daher von Anbeginn der Musikalität verfallen war.

Leonklou Boazu Verstärker

Weiterer Teaser: Nach zwei Monoblöcken und einem Dual-Mono (sic!) Vorverstärker wollte er seine Qualität auch in einem etwas preisgünstigeren Vollverstärker verwirklichen. Und dass Herr Lejonklou keine Scheu vor radikalen Lösungen hat, zeigt der erste Anblick des „BOAZU“ getauften Integrated Amps. 3 Tasten schmücken die Front, + und – zum Regeln der Lautstärke und MUTE. Aus! Kein Regler zum Drehen, keine Eingangswahlschalter, gar nix dergleichen! Dabei hat der BOAZU vier Auxeingänge. Pro Seite, denn klarerweise für Lejonklou ist das Gerät ebenfalls streng Dual Mono gebaut.

Rückseite Boazu Leonklou

4 mal Eingang, 1 mal Lautsprecher, zweimal

Beim Weglassen klangverschlechternder Komponenten und Signalwege wurde nämlich ein neuer Weg gewählt, alle 4 Eingänge sind zusammengeführt und daher „always on“ und müssen/können so nicht umgeschaltet werden. Am Ausgang liegen bis zu 40 Watt pro Kanal, wie es sich herausstellte genug um auch relativ leistungshungrige Lautsprecher wie die große Manger zu bespielen. Und wie!

Ich gestehe es passiert nicht oft, dass schon die erste Platte das Lächeln ins Antlitz holt, aber beim Lejonklou BOAZU war genau das der Fall. Klarheit ist ein Hilfsausdruck für die geradezu endlose Räumlichkeit des BOAZU-Klangs, dem gleichzeitig jede Härte oder Schärfe fehlt, solange sie nicht gefordert wird vom Musiksignal. Autorität und geradezu muskulöse Kontrolle des Tiefbassbereiches, von ungewohnter Sauberkeit und Trennschärfe gleichzeitiger Tiefbassevents , wie etwa dem unteren Register von Patricia Barbers Klavier im Zusammenspiel mit dem Kontrabass auf „Blackbird“. Druckvoller geht „Children of Sanchez“ kaum, selbst bei großer Lautstärke, und hier würde niemand 40 Watt am Werk vermuten. Ja klar, Metalhammerfetischisten und Headbanger könnten mit dem BAZOU an die Grenze stoßen, aber die würden auch die Feinstrukturen nicht schätzen, die hier offen gelegt werden. Nüchtern bis ins kleinste Detail, aber gleichzeitig von einer Farbigkeit und Klangopulenz, die z.B. Milos Karadaglic Lautengitarre zum Weinen schön erklingen lassen. Und bei „My Favorite Things“ von Frau Youn Sun Nah hört man nicht nur die Metallzunge ihres Afrikanischen Daumenklaviers, sondern auch das Holzkistchen des selben. Atemberaubend.

Lejonklou

Sinnbild für die Einfachheit – Die Fernbedienung

Nun gut, mit Kabeln um den mehrfachen Preis des Verstärkers und perfekt eingestellt von Mister Allegro klingt jede Aufnahme überzeugend, wie wäre das aber im Wohnzimmer zu Hause? Zweiter Testdurchlauf also beim HighEnd Kumpan, der mit allem was NAIM an Vor-Endverstärker und Zusatznetzteilen zu bieten hat seine Russel K Boxen R 150 betreibt. Auch hier kann der 3000.- Euro teure BOAZU auf Anhieb die anwesende Schar von Experten mit seiner Räumlichkeit und Durchsicht überzeugen. Interessant die Tatsache, dass hier die Polung des Netzsteckers deutlich zwischen richtig und verkehrt entscheidet. Auch die erste halbe Stunde muss gewartet werden, bis die Sonne so richtig aufgeht und in aller Schönheit strahlt. Die Bassmächtigen Russel K sind voll im Griff des BOAZU, rollender Bass wie etwa die große Surdo Trommel bei der Misa Criolla tut das gepflegt wie selten. Dass die NAIM Kombi vielleicht noch einen Hauch harmonischer klingt, darf bei einem Preis Unterschied von 400% durchaus als erwartbar gebucht werden, in Sachen Durchhörbarkeit und „Air around the instrument“ gewinnt Lejonklou allerdings sicher.

Wenn schon denn schon, aller guten Dinge sind 3, also muss der junge Schwede seine Qualität noch an alten Schweden beweisen, und zeigen wie er mit meinen Rauna Ymer Lautsprechern aus dem Hause Opus 3 zurecht kommt. Deren serielle Frequenzweiche und legendär offenen Mitten passen gut zum Testen feiner Mikrostrukturen. Sagte ich schon das Wort „Natürlichkeit“, und „Luftigkeit“? Hab ich erwähnt, dass die Musik für mich noch nie so aus dem schwarzen nichts aufgetaucht ist wie diesmal?

Und vor allem: Dreht man die Lautstärke stark nach unten bleibt ALLES vorhanden, jedes feinste Zwirbeln der Besen, der Farbrausch eines gehämmerten Pianos, das Holz der Klarinette, nichts geht verloren. Noch eine Entdeckung: Nie zuvor hat OE1 in DD Qualität aus der UPC Box so überzeugend geklungen, die neuen Signations klingen offen und präzise (jedoch leider immer noch überzüchtet, aber das ist eine andere Geschichte).

Ist der Lejonklou BOAZU also der neue Wunderwuzzi? Nein, dafür fehlt ihm für Hardrockbuddies das letzte Quentchen Gewalt. Das fehlen eines Balancereglers hat mich ein paar Mal genervt, ebenso die doch mannigfaltigen Hinweise zur Vorsicht im Umgang. Der BOAZU ist ein rassiges, feinfühlendes, kraftvolles Rennpferd, ein Araber unter den Verstärkern. Pure Lust, offen wie die Weite der Prärie, weitsichtig wie ein Adler und so neutral, dass er anfangs fast harmlos klingt. Allerdings ist das Zurückwechseln auf die anderen Verstärker auch wahrlich grausam. Oder wie der Wahlspruch aller HighEnd Freaks nach Frank Zappa lautet: „The Torture never stops“.

Mit 3k in Euro lässt sich zumindest diese Qual beenden. Daran denke ich die ganze Zeit.

 

 

Die Abwesenheit der Kunst der Präsentation – HighEnd 2017 München (1)

Für die 20 000 Besucher der HighEnd Messe in München ist es jedesmal eine Herausforderung: Mehr als 400 Aussteller die über 900 Marken repräsentieren in 4 Hallen mit bis zu 3 Stockwerken und Hunderten von Vorführräumen. Nachdem die HighEnd DIE weltweite Leitmesse der Branche ist, bleibt den internationalen Distributoren, Händlern und Besuchern nichts anders übrig als mit straffem Zeitplan Stand für Stand abzuchecken, keine Zeit für Blah blah oder Banalitäten.

Man könnte nun annehmen allen Ausstellern wäre das bewußt, sie bereiten sich gut vor, suchen gut geschultes Personal aus um die Produkte vorzuführen, deren Entwicklung und Herstellung Monate wenn nicht Jahre in Anspruch genommen hat. Wäre nur fair gegenüber Entwicklern und Publikum.

Oh contraire!

Unsere Reise durch die Welt des HighEnd begann aus zwei Gründen bei Magico: Erstens ist das der Raum, vor dem sich später die längsten Schlangen bilden, gilt dieser Hersteller doch als das Nonplusultra der Lautsprecherkunst. Und zweitens genau deshalb wollten wir uns die Referenz setzen um andere Vorführungen dazu in Bezug zu bringen. Magico hat wie alle Hersteller einen mehr als mäßig geeigneten Raum zum vorführen, muss also mit den gleichen Randbedingungen zurecht kommen, die andere als Entschuldigung hernehmen.

Wir hätten ja gerne gehört, mussten aber vorher noch einen Herren ertragen, der doch tatsächlich über die Unzulänglichkeit von dünnen MDF Platten referiert, und dann noch mitteilt dass bei der neuen S3 MK2 nicht nur die Lautsprecher sondern auch die Frequenzweiche überarbeitet wurde. Sensationell, wir dachten die alte würde es noch tun. Sind wir bei Nubert? Dass er das alles in Deutsch von sich gab, war für das Gros der internationalen Gäste – die genauso viel deutsch sprechen wie die deutschen Besucher der Warschauer HighEnd Tage polnisch – eher von Vorteil, für das Renommee des Ausstellers allerdings eher ein peinlich. Ist Deutschland wirklich noch so wenig sensibel um internationale Sprachregelungen einfach zu ignorieren? Und ja, natürlich, die S3 klingt göttlich in der MK2 Version, die beiden schlanken Kisten scheinen keinerlei Bedeutung zu haben, der Klang der hier bereits erwarteten „Dead can Dance“ CD erscheint dazwischen dahinter und rundum, so selbstverständlich dass niemand auch nur auf die Idee kommt über Bässe Mitten und Höhen zu diskutieren, es ist alles einfach da so wie es gehört. Punkt.

Auch der nächste Referenzpunkt, die Neuvorstellung von „The Ones“ bei Genelec, war nicht gerade ein Leckerbissen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Die neuen Modelle klingen geradezu verblüffend großartig trotz sehr sehr kleinem Gehäuse, in das ein konzentrischer Mittel/Hochtöner, zwei Basslautsprecher und vier Endstufen Platz finden. Aber HighEnd-Menschen hätten doch gerne gesehen, welche Quelle, welcher DAC, Preamp oder sonst am Werk beteiligt sind. Und ein bißchen mehr Achtsamkeit der Auswahl wäre auch ganz gut .

In Bezug auf Achtsamkeit sollte uns aber im nächsten Raum ein neuer Tiefpunkt erwarten. Der Herr bei Focal will nicht enden in seinen mit Null Information gespickten Betrachtungen, weil wir aber schon soo gespannt waren, entschliessen wir trotzdem durchzuhalten.  Hätten wir nicht machen sollen! Entblödet sich der Mann doch ernsthaft eine wirklich ganz üble Live-Aufnahme des Pippi Langstrumpf Liedes zu spielen !!! Leute die mich kennen wissen wie sehr ich „eklektische“ Musikauswahl zu schätzen weiss, wenn sie einem guten Zweck dient oder auch nur irgendwas überraschend darstellt. Hier aber war eine lausige Band, völlig verwaschener Applaus und keinerlei Definition zu erleben. So schlimm war Focal noch nie, obwohl sie immer schon enttäuschend vorführen, was ich den Entwicklern gegenüber als wirklich skandalös empfinde.

Eine ganz andere Form der Enttäuschung liefert dagegen, ebenso traditionsgemäß, PMC aus England. Diese Jungs präsentieren ihre Lautsprecher wie Götter, mit einer intelligenten Mischung der Stile, Epochen, und Varianten musikalischer Großartigkeiten. Nur ist leider die Optik so unfassbar inkompatibel mit einem Wohnzimmer, dass selbst ein Klang der Magico nervös machen könnte, nie und nimmer den Weg in private Gemächer finden wird. Der Leichenberg nach einem Versuch über diese Schwelle zu kommen wäre  inakzeptabel groß.

Bevor wir uns im Teil 2 den schönen Dingen der Messe widmen, leider noch ein weiterer Fall von Wiederholungstäter. So wunderbar wären die Geräte nach dem Relaunch, nicht nur in optischer Hinsicht. Der ehemalige Ruf einer der Wegbereiter von HiFi zu sein, könnte erneut zurecht in Anspruch genommen werden. Aber es will der Firma Technics einfach nicht gelingen auch nur die allernotwendigste Vorführkenntnis aufzubringen. Ich wollte wirklich meine Kritik widerrufen, Technics preisen und Frieden suchen . Dass die Vorführkabine fast leer war, kann man bereits als Vorahnung schlimmer Dinge ansehen. Dass es einem Vorführer gelingt 3 mal hintereinander den gleichen SoftJazzRockSingerSongwriter- Käse zu spielen ist schon ein starkes Stück. Selbst die verdrehten Augen der wenigen Besucher wurde erfolgreich ignoriert, gnadenlos folgt Langeweile auf Langeweile. So wird es nix werden, liebe Freude von Technics.

Und bevor Sie oder andere mit Argumentation a la „Da haben sie einen schwachen Moment erwischt, sonst wars immer besser“, oder „ Die Musikgeschmäcker sind eben verschieden“ ausweichen wollen: das gilt nicht. Jeder Besucher beurteilt Ihre Marke nach den 10 Minuten die er bei Ihnen verbracht hat, und mehr hat er leider kaum, da noch ein paar hundert andere warten.

Der Letzte Negativ-Award geht aber an die Organisation der HighEnd Messe. Nicht dafür, dass der Anreise-Stau immer wieder gigantische Ausmaße annimmt, dafür hat die offenbar auf Urlaub befindliche Verkehrspolizei grade zu stehen. Vielleicht könnt ihr Ihnen einmal einen Tipp geben. Nein, der Preis für den gröbsten Schwachsinn gebührt Ihnen für die Idee ein Saxophonquartett als Pausenfüller zu engagieren. JEDEM auf dieser Messe brummt der Schädel nach ungezählten Demos, oft weit über erträglicher und sinnvoller Lautstärke. Jeder möchte sich auf dem Gang ausruhen, ein paar Worte wechseln mit lange nicht gesehenen Buddies, oder das gerade gehörte nochmals durchsprechen mit allem Für und Wider. Und NIEMAND will dabei Saxophonquartette im Genick haben. Ich halte es besonders auch gegenüber den hervorragenden jungen Künstlern für eine Zumutung sie so deplaziert zu engagieren.

Aber lasst uns nun zum Wahren, Guten und Schönen wechseln in Teil 2.

Momente der Glückseligkeit – – HighEnd 2017 München (2)

Beginnen wir den angenehmen Teil wo wir Teil 1 gerade verlassen haben, bei Matsushita aka Technics/Panasonic. Im Unterschied zu den HiFi Kollegen war nämlich die Präsentation der TV Geräte großartig. Ein überaus kompetenter Berater, offen und ehrlich, Kenntnisreich in den aktuellen Modellen genauso wie denen der abgelaufenen Jahre, unaufgeregt, zuhörend, Herz was willst du mehr. Dass er auch bei Audio firm war ergänzt das Bild. Die Demofilme von aussergewöhnlicher Delikatesse, alles perfekt eingestellt und nachvollziehbar. Sorry Sony und Samsung, für dieses mal habt ihr verloren, we go for Panasonic.

Wenn wir schon von unaufgeregt wunderschön sprechen, kommt Manger ins Spiel. Klarer Sound in exzellenter Verpackung, eine Präsentation, die fast zu unaufgeregt war, aber jedes Wohnzimmer danach lechzen lässt. So muss HiFi um im Jahr 2017 wieder zum Zug zu kommen . Und wenn wir schon von wunderschön sprechen kommt auch sofort Alluxity aus Dänemark in den Sinn und dazu einer der ersten absoluten Höhepunkte der HighEnd 2017, die gemeinsame Performance mit Joseph Audio. Ich hoffe sie kennen das, man wird konfrontiert mit einem Song der hundertfach rauf und runter zu hören war und trotzdem ist es so als wäre zum ersten Mal erlebbar wie schön diese Aufnahme wirklich ist, wie herrlich farbig der Coal Train von Hugh Masekela daher dampft, wie hart die Gitarre geslapt wird und wie warm die Stimme ist im Vergleich zur goldig klingenden Trompete. Um alle nun vollständig zu verwirren: Der Tonträger war ein Tonband diesmal, offenbar eine Art Masterband-Kopie ungeahnten Klangreichtums. Solche Momente sind es die uns das HighEnd leben so wünschenswert machen.

Naim war wieder einmal mit Britischem Understatement zugegen in der Art „ Wir brauchen euch nix hören zu lassen, ihr wisst wie gut wir sind“. Boenicke hingegen zeigte auch diesmal in einem riesigen Raum wie man mit winzigen Lautsprechern den Saal füllen kann mit Musikalität und Freude. Wollen wir aber zurück kommen zum Thema Präsentationen.

Gauder erfüllte wieder einmal alle Vorraussetzungen edelster Präsentationskunst in Person von Thomas Hintze. Wie dieser Mann aufmerksam neben der Anlage sitzt, akribisch die Reaktion des Publikums checked und darauf hin den nächsten Vorführhit landet ist schlicht und einfach sagenhaft, große Klasse.
Große Klasse auch wieder einmal von Joseph Lavrencik, dem CEO von Critical Mass Systems. Die Hingabe mit der der Meister einen schlichten Vorgang des Umsteckens eines Lautsprecherkabels erledigt ist so als würde bei Tiffany der Koh-I-Noor neu gefasst. Die LP oder CD in seiner Hand signalisiert schon beim Auf- bzw. Einlegen: Hier kommt das Wunder Musik zu euch, liebe Gemeinde, auf das ihr erlöst werdet. Amen.

Mit übergroßer Freude geht auch Vince Bruzzese von Totem Acoustics Canada seit vielen Jahren ans Werk, spielt dass es geradezu Freude macht, und wenn man meint besser gehts nimmer, leiten die Worte „lets play some more dynamic sound“ eine Phase ein, bei der a) die Lautsprechermembrane fast 5 cm weit aus dem Gehäuse lugt, b) dem Verstärker signalisiert wird, doch bitte ein paar Ampere mehr zur verfügung zu stellen und zwar urplötzlich, und c) der Klang überraschenderweise nicht den geringsten Stress vermuten lässt und absurdeste Pegel locker über sich ergehen lässt. Dabei dreht Vince dann noch die Lautsprecher wie wild hin und her um zu zeigen wie wenig kritisch die Aufstellung ist . Großes Kino.

Nur ein Mann war noch besser, nicht großes Kino sondern große Bühne in Shakespearischer Manier. Dabei hatte der über das wohl langweiligste Teil einer HiFi-Anlage zu berichten, die Netzverteiler samt Strom- und Spannungsfilter. Und wer jetzt glaubt das wäre mit einem Satz zu erledigen ist völlig falsch. Eine unterhaltsame und informative halbe Stunde lang, zeigt Garth Powell, AudioQuest Direktor für Power Products wo der HiFi Bartl den Most holt. Inhaltlich hochinteressant, populärwissenschaftlich aufgelöst, Drama wie eine Königin und 4 Musikbeispiele von „ohne“ bis „wenns sie es sich noch leisten können haben wir auch das“. Die einzige Frage die bleibt ist, wie überrede ich meine Bank den Kreditrahmen zu erhöhen für den Ankauf.

Womit wir auch zum Höhepunkt kommen der diesjährigen HighEnd München und ich freue mich sagen zu können, der war diesmal österreichisch. Audiodata aus Salzburg konnte mit einer absolut edlen schlichten Präsentation zeigen wie weit die Perfektion ihrer Kette aus ToneArt Plattenspieler, Soulution Elektronik und Art One Lautsprecher gediehen ist. Meine Hochachtung, Salzburger Klangfestspiele internationalen Formates.
On Top aber war für uns diesmal die Wiener Lautsprecher Manufaktur. Den von sich und seinen Musikkenntnissen ein wenig zu sehr überzeugten Präsentator wollen wir einmal vergessen, mitsamt der dritten Reihe der Komponisten die er uns nahe bringen wollte. Aber der Klang ! Luftig, leicht, Feenhaft zu Beginn, musikalisch bis in die Knochen. Zugleich aber eine unbändige Klanggewalt der große Geste, die Richard Wagner die Tränen in die Augen getrieben hätte, dem Herrn Karajan sowieso. Wie bei Magico geht hier die Wiedergabe weit über Frequenzgang und Amplitude oder THD hinaus, hier spricht der Musikvereinssaal zu uns oder das House of Rock, wir sind Live at the Roxy oder im Wembley Stadium. Oder bei 2L in der Kirche, wenn sie wissen was ich meine. Der Preis für Best of Show gebührt damit meiner bescheidenen Meinung nach dieses Jahr WLM. Wenn die noch eine Distribution zustande bringen, regieren sie die HighEnd Welt.

Teil 3 der diesjährigen Berichterstattung ist eher starker Tobak, da werden Grundfesten erschüttert.

Das Ende der Spikes! – HighEnd München (3)

Die HighEnd in München hat in ihren besten Momenten nicht nur Bestätigung von bereits gut bekanntem zu bieten. Dass der bereits etwas betagte Alt Jouk Van den Hul noch immer besser vorführen kann und mehr weiss als die meisten Youngsters zB. ist nicht neu, dass KEF tolle Präsentationen hat die immer total voll sind ebenfalls nicht.

Aber wer kennt  Kawero Lautsprecher von Kaiser in Deutschland ? Oder die Kondo Verstärker dazu. Sollte man aber wie uns die Messe heuer gezeigt hat. Sensationell musikalische Performance in geradezu unaufgeregter Selbstverständlichkeit, die sonst nur bei absolute Topmarken zu finden ist. Das „So muss es sein“ Gefühl kommt wieder mal hoch, das wir zuletzt bei Magico im Bauch gespürt haben.

Oder sind schon genügend Leute mit Lyravox bekannt? Wäre auch ein Muss, denn diese Jungs machen so viel richtig, dass nicht nur ein Fachgespräch sehr interessant verläuft, sondern der Beweis gelingt dass man mit viel DSP auch musikalisch bleiben kann und nicht erkalten muss, wie kürzlich hier zu lesen war. Unter dem altmodischen Titel Stereomaster SM3  bietet Lyravox ein Wandmodul an, dass der Wohnung von Elvis Presley sicher gut getan hätte, optisch und akustisch. Und dass die anderen Lautsprecher im Programm Anleihen beim Design der großartigen Förster Audio Speaker genommen haben, wärmt angenehme Erinnerungen auf, die fast vollständig bestätigt werden durch den hervorragenden Klang.

Schöne Erinnerungen an zu Hause boten auch die Leute von Concrete Audio an, deren (Sicht-)Betonboxen in ihrer grauen Schlichtheit überzeugen konnten. Nicht ganz so wunderbar in den Mitten wie meine Rauna Ymer aus dem Opus 3 Stall zu Hause, aber durchaus ein überzeugendes Beispiel dass hervorragende Optik mit ebensolchem Klang zu paaren ist. Kann das bitte wer an B&O weitersagen 😉 !

Und dann war da noch ein kleiner unscheinbarer Stand in Halle 3, der nicht nur mein Weltbild gehörig durcheinander gebracht hat. Max Townshend von Townshend Audio, ein britischer Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, setzt letztere ein um uns vorzuführen wie Vibrationen vom Boden den Lautsprecher der auf Spikes steht irritieren; aber auch wie langsam Impulse der Lautsprechergehäuse durch die fest mit dem Boden gekoppelten Spikes abgebaut werden.  Wundermittel dagegen sind entweder genial konstruierte Balken, welche durch extrem tief abgestimmte Federungen die Lautsprecher fast völlig isolieren und in Schwebe halten. Oder man nimmt gleich eine gefederte Platform und platziert  schwere HighEnd Lautsprecher darauf. Je schwerer die Boxen , desto besser wirken die Townshend Isolatoren nämlich. Paul Messenger , einer der Päpste der HiFi-Presse aus UK, und früher einer der Spike Adepten, hat seine 96 kg schweren B&W 800 so gelagert und ist aus dem Schwärmen kaum herausgekommen nach 3 Nächten im Keller.

Hier ein Video von Townshend:

Um den Schock zu verstehen: Bisher habe ich gelernt dass die Aufstellung des Lautsprechergehäuses stabil sein muss um die Relativbewegung zwischen Membran und Magneten exakt zu halten, daher Boxen auf Spikes, macht alles stabil und die Abbildung klarer. Ist aber anscheinend so nicht richtig. Der Grund warum zB. die eigene HiFi-Anlage mitten in der Nacht am besten klingt, könnten das Fehlen der Microbewegungen sein, wenn die Stadt zur Ruhe kommt.

Nachdem die Townshend Bars für zwei Lautsprecher fast 1000.- Englische Pfund kosten sollen, wollte ich die Theorie vor dem Kauf zumindest ansatzweise selber probieren. Also ab in den Baumarkt, eine Rolle Luftpolsterfolie erstanden, ca 20 Lagen davon zusammengelegt und unter die 38 kg schweren Lautsprecher zu Hause gelegt. Meine Güte, das bringt’s aber sowas von! Leider ist nach ein paar Stunden die Luft aus der Folie entwichen, aber bis dahin war folgendes zu hören: Mehr oder besser gesagt präziserer Bass ! Eine neue Leichtigkeit und Ablösung des Klanges von den Boxen, die süchtig macht. Alles wirkt besser aufgefächert und konturierter, man erkennt viel einfacher Aufstellungen auf der Bühne oder im Studio. Wie schreibt Jason Kennedy so schön in HiFi Plus: „This is not an accessory. It’s an essential“.

Dass Townshend auch Supertweeter herstellt sei nur am Rande erwähnt , nachdem was wir bisher dort gelernt haben, sollte das sehr interessant sein, denn der Max Townshend ist ein ganz großes Genie!

Über Äpfel, Birnen, Vinyl, Streaming und das Problem mit dem Geld

Stellvertreter-Diskussionen

Wenn ich etwas verabscheue, dann ist es die Angewohnheit Dinge aus den falschen Gründen abzulehnen oder Statistiken absurd zu interpretieren. Am häufigsten passiert mir das in letzter Zeit mit Aussagen wie: „Streaming ist nix für mich, weil Musiker da wenig verdienen“. Oder „Ich liebe Schallplatten, weil sie besser klingen“. Ganz zu schweigen von: Die LP erlebt einen unglaublichen Aufschwung und ist ein wesentlicher Teil des Musikbusiness.Internet Forum Aktivist

Dabei werden Äpfel mit Birnen verwechselt, und die Sache wo Dinge wirklich faul sind oder schief laufen völlig falsch zugeordnet. Ich darf deshalb versuchen für Interessierte die einzelnen Themen etwas zu ordnen, um nicht ununterbrochen Leute flamen zu müssen wie hier  oder hier.

Musik zu Hause oder unterwegs hören besteht aus mehreren Stufen ( Live Konzerte lassen wir hier einmal beiseite, obwohl sie das wichtigste sind). Die Quelle samt ihrer Lokalität, der Weg zur Wiedergabekette ( aka HiFi-Anlage, die auch einfach ein Smartphone sein kann) und die Wiedergabeeinrichtung selber.

Vinyl, CD, Download oder Streaming

Und der Speicher per se ist einmal weder gut noch böse. Er hat gewisse Limits, im Fall von Vinyl zB. ist die Wiedergabe besonders tiefer Frequenzen mit großer Lautstärke eher problematisch, auch der Trennung der Kanäle ist durch das mechanische Abtasten einer Plastikrille mit zwei um 90 Grad versetzten Flanken nicht gerade perfekt. Und höhere Frequenzen als etwas über 20 kHz können auch kaum „abgetastet“ und somit angeboten werden.

LP Rillen

Plattenrillen

Also nix mit High Resolution. Ansonsten aber kann aus der LP ein wunderbares Klang-Ergebnis erzielt werden. Solange die Aufnahme gut war, die Abmischung Mediengerecht ( also die Eigenheiten der mechanischen Abtastung berücksichtigt wurden) und natürlich überhaupt die Musik gut, authentisch und nicht den Teil zwischen den Ohren beleidigend. Aufnahmen zB. aus den 50er Jahren im Repertoire Jazz oder Klassik klingen deshalb oft so gut weil Ausnahmekünstler nicht nur an den Instrumenten sondern auch den Mischpulten und beim Aufstellen der Mikrofone tätig waren und nicht weil man sie aus der Rille kratzen muss.

CD Prinzip

CD Prinzip

Bei CDs müssen wir mit der optischen Abtastung winziger Erhebungen auf einer Metallschicht auskommen, die noch dazu durch mehr als 1 mm dickes Kunststoffteil gelesen werden muss. Laut Vereinbarung ist der Frequenzgang mit maximal 20 kHz nach oben begrenzt und die nötige abrupte Begrenzung oberhalb von 20 kHz stellt große Anforderungen  an auslesende Filter. Dh. bei Auslesen von CDs mittels Digital-Analogwandler gibts ähnlich große Unterschiede wie bei guten und schlechten Verstärkern, und auch ein DA Wandler hat ausgangsseitig einen Analogteil, kann also scharf, hart und unmusikalisch klingen obwohl vielleicht der Digitalprozess einwandfrei bewerkstelligt wurde. Jedoch auch CDs sind in der Lage exorbitant gut zu klingen, bei Nachdenken über meine  grandiosesten Klangerlebnisse bin ich drauf gekommen, dass Magico Q7 bei einem Händler in München, Magico Ultimate II auf der Highend Messe und auch Devialet/B&W ebendort mit schlichten Plastikscheiben gefüttert wurden. Allerdings aufbereitet zum Gegenwert eines mittleren Einfamilienhauses. Dass CD Player heute mit sensationell günstigen externen DA Wandlern zu Höchstleistungen fähig sind  ohne mehr als ein paar hundert Euro auszugeben, während man früher viele Tausender auf den Tisch blättern musste dafür ist Faktum, und hilft seine Sammlung neu zu geniessen oder gleich zu rippen, also in den Computer zu speichern. Womit wir bei Möglichkeit Nr. 3 wären.

Musik-Downloads, also die Files sind nicht auf der CD gespeichert oder von CD gerippt, sondern können gekauft werden, im iTunes Store, bei Amazon oder sogar bei einem der HighResolution Anbieter wie Qobuz oder HighResAudio. Von dort kann man Musik nicht nur in CD Qualität ( 16 Bit/44kHz) holen sondern bis zu 356 kHz Abtastfrequenz und 32 Bit Genauigkeit. Der gekaufte File wird also einmal vom Server auf den eigenen Computer geladen und ist damit in meinem Besitz, kann in anderes Format gewandelt werden und ziemlich beliebig auch auf mehrere andere Computer mitgenommen.

Vierte heute gängige Art Musik abzuholen nach LP,  CD und Download  ist Streaming. Dabei liegt der digitale File nicht notwendigerweise eingebrannt auf der CD zu Hause sondern zB. am Server von Spotify, Tidal oder Apple Music. In diversen Qualitätsstufen, von kaum akzeptabel bei Spotify „normal“ über AAC 256 bei Apple Music bis zu unfassbar wunderschön in MQA Masters Qualität über HiFi Tidal. Der Stream muss also die Daten über „das Internet“ nach Hause transportieren und dort wird alles in Echtzeit ausgepackt ( oder zwischengespeichert um die Wiedergabequalität zu erhöhen) und in der HiFi Anlage in das Wunder Musik verwandelt. Streaming per se hat also diverse Qualitätsstufen, ganz wie LP oder Download und (in viel kleinerem Maße) auch CD.

Die andere Seite der Medaille

Wieviel Musiker bezahlt bekommen für eine LP, eine CD, Download oder eine Wiedergabe eines Streams ist eine völlig andere Geschichte, die mit Speicherart und dem Speicherort erst einmal so gut wie gar nichts zu tun hat. Bei LPs kommen Kosten fürs Aufnehmen , für die Erstellung der Presswerkzeuge/Matrizen , Cover, Booklet etc. zusammen, des weiteren der Transport in die Geschäfte und Margen für die Händler, die ja ein Lokal bezahlen müssen monatlich, Angestellte brauchen, Plattenspieler zum vorspielen etc.  Ähnlich bei CD wobei die Kosten der Erstellung ein paar Jahre nach der Erfindung dramatisch gesunken sind und heute (fast) vernachlässigbar. Download kennt kaum Kosten für die Verbreitung, sieht man vom Marketing und Gestaltung des Webportales einmal ab.

Bei Streaming fallen die nicht unerheblichen Kosten für eine performante Serverfarm ins Gewicht, werden aber durch die Menge der Abrufe wiederum in viele sehr kleine Kostenanteile zerlegt. Bei ca 30 – 50 Millionen Titeln und einem Vielfachen an Nutzern werden auch diese Kosten eher gering pro Anwendungsfall.

Wer kriegt nun wieviel vom Kuchen? IFPI Statistics

Hier wird’s kritisch aus vielen Gründen. Musikplattformen wie Spotify, Tidal oder Apple haben zu Beginn ein großzügig scheinendes Angebot von 70 % für den Musikanbieter ( Musiker im Eigenverlag, Distributor, Verlag, Rechteinhaber oder ähnliches) und „nur“ 30 % für den Platformbetreiber. Warum von den 70 % so gut wie gar nichts beim wirklichen Musikschaffenden übrig bleibt hat viele Gründe, nicht alle sind ok und gerechtfertigt. Bruchteile von Cents pro Anhörung bringen auch bei gefragten Titeln nicht wirklich Butter aufs Brot für Musikschaffende. Dass Distributoren/Aggregatoren sich nicht nur einmal für den Vorgang des „richtig auf die Platform zu bringen“ sondern oft an jedem Abspielen beteiligen lassen wollen ist zB nicht ok. Auch bei den Aggregatoren gibts große Unterschiede.

Umsatzanteile Deutschland 2016

Absatz Tonträger Deutschland 2016

Andererseits ist die Diskussion wieviel bei der Plattenfirma bleibt und wieviel zu Musiker, Komponisten und Interpreten weiter gegeben wird, so alt wie das Kratzen von Tönen in die Wachswalze. Und ob Spotify, Tidal oder Apple Music ihre Besitzer so fürstlich entlohnen müssen, sich Investoren und Pensionsfonds krank verdienen aber andererseits Musikanten nicht einmal die Medizin kaufen können wenn sie wirklich krank sind, wäre auch dringend zu hinterfragen. In der realen Wirtschaft wird ein Produkt – wenn es millionenfach verkauft wird – immer günstiger, komischerweise haben Spotify und Apple eher Hunger auf mehr als die Absicht geringere Prozente zu verlangen.

Abschlusskonzert Marie F Lang im Berkeley Music College Boston

Abschlusskonzert Marie F Lang im Berkeley Music College Boston

Die Entlohnung der eigentlich Schaffenden aber ist eine Diskussion die nicht notwendigerweise mit dem Medium der Verteilung verbunden ist. Streaming zu verteufeln wegen falscher Beteiligungsschlüssel ist schlicht Unsinn. Den Schlüssel der Aufteilung zwischen Musikern und Musikmanagement, bzw. noch viel mehr die Gewinnspannen für Investoren im Verhältnis zu gerechter Entlohnung für eine Heidenarbeit ist bei Musikern genauso notwendig wie bei Autoren. Die Möglichkeiten zumindest teilweise die Vereinfachung im Marktzugang zu nutzen wird an dieser Schraube drehen helfen, Organisation einzelner Musiker in Interessensverbänden kann wenn zeitgemäß aufgestellt und genutzt ebenfalls Abhilfe bringen. Wenn Social Media getriebene Organisationsformen ganze Regierungen stürzen können wie diverse Frühlinge in Afrika und Osteuropa gezeigt haben muss es doch auch möglich sein Musiker, Komponisten und Texter zu Ihrem Recht auf adäquate Entlohnung zu bringen.

Beatles USB Stick

Beatles USB Stick

Kleine Musikproduzenten müssen meiner Meinung nicht unbedingt in teure Vinylproduktion investieren für „Special Editions“. Die Haptik, Informationshunger über Künstler, Tontechniker, Background der Band, des Themas des Albums könnten auch in verschiedensten Formen an die Frau und den Mann gebracht werden, haptisch aufwändig gestaltet, oder wie Werner Pirchner es formuliert hat „naturalmente in colori“. Drinnen kann eine Downloadadresse und ein Passwort sein, das geht in der Sonne auch nicht kaputt und wird auch in 20 Jahren nicht blind. Apple – der Musikverlag und nicht die Computerfirma – hat schon vor Jahren Beatles Gesamtausgaben in Form eines Apfels verkauft, in dem USB Sticks versteckt waren.

Abschliessend also noch einmal die Bitte Aufnahmequalität, Speichermedien, Transportmedien und Entlohnungsmodelle bzw. Beteiligungsraten auseinander zu halten in der Diskussion, Musiker wie Autoren zu einem gerechten Lohn zu verhelfen und – last but not least- viele Konzerte zu besuchen, um den Unterschied zwischen Konserve und Liveerlebnis nicht aus Augen und Ohren zu verlieren.

Das 5 HighEnd-Gebot und der Nachmittag beim HighEnd-Faun

Nein , das 5. Gebot ist nicht „ Du sollst nicht töten“ , es geht hier um das 5. HiFi Gebot „ Du sollst nicht behaupten HighEnd sei teuer“ oder meinetwegen „Du sollst nicht den Glauben an leistbarem HighEnd töten“. Und selten war mir das so klar wie nach dem Besuch bei Allegro.

In meinem vorigen Beitrag ging es ja um den neuen Wunderlautsprecher von Kii Audio, dem meines Erachtens nach eine „Kleinigkeit“ gefehlt hat, nämlich die Freude an der Musik. Umso hellhöriger war ich als Bernhard „Allegro“  Mesicek mir erzählen wollte über ein schon fast obszön günstiges HighEnd Set.  Also nichts wie hin in den siebten Wiener Gemeindebezirk, mit Macbook im Rucksack und hohen Erwartungen. Bernhard Mesicek ist nämlich ein HiFi-Faun , der zwar weder gehörnt noch Bockfüßig ist , aber wie es das Wörterbuch so schön beschreibt  durchaus „ in der Kunst besonders die starke, ungehemmte Triebhaftigkeit symbolisiert“, der Trieb heisst hier natürlich Suche nach guter Musikwiedergabe , oder eben auch HighEnd.  HiFi verwende ich deshalb nicht so gerne , da zu viel Schrott mit diesem Begriff in Verbindung gebracht wird, man betrachte nur das Angebot des Elektrohändlers/-Marktes ihrer Wahl. Und immer ist Audio für mich die untere Grenze des eigentlich nicht mehr zumutbaren. Nicht nur bei Geräten.

Bonsai Time

Beim Eintreffen verblüfft zuerst einmal die 33 x 16 x 20 cm kleine Box „Terza“ Chario_Terzaauf dem alten Linn – Sara – Ständer*. Designmässig kann sie ihre italienische Herkunft Gottseidank nicht verbergen, englisch wäre hier verfehlt. Klangmässig aber wird es durchaus British, ist es nicht?  Schon nach einem kurzen ersten Durchgang mit Melody Gardot, Trombone Shorty, Sophia Zelmani und der Misa Criola gibts nicht zu klagen aber die unfassbare Erkenntnis : Vielleicht etwas ZUVIEL Bass. Oida! Zuviel Bass??? Ein Lautsprecher der so hoch ist wie eine aufgestellte LP und halb so breit klingt amerikanisch, also leicht adipös !?!?? Die Lautsprecher waren etwa 30 cm vor der Rückwand positioniert, also weder in der Ecke noch direkt an der Wand. Letzteres wäre auch nicht ratsam, da die Bonsai-Highender nicht nur 1 Tweeter nach vorn sondern auch zwei nach hinten besitzen und so ein mittels aufwändiger Frequenzweiche ausgeklügeltes Abstrahlverhalten realisieren, das unglaublichen Charme besitzt. Es ist nämlich keineswegs so verwaschen wie andere „Rundumstrahler“ , auch wird kein artifizieller SurroundsoRückwand Chario Terzaund aufgedrängt, sondern ein musikalisch äusserst erfreuliches Ambiente präsentiert. Wobei präsentiert schon fast zu theatralisch klingt, die Musik ist einfach schön und „da“, gleichgültig ob Jazz, Pop, Klassik oder World. Egal ob es sich um Soloklavier, großes Orchester oder kleines Jazztrio handelt. Beyonce schwingt ihren Baseballschläger mit Saft und Kraft, Milos Karadaglic streichelt seine Lautengitarre sanft, und das Modern Jazz Quartett swingt dass es eine Freude ist. Bei allen Instrumenten quillt förmlich der Saft aus dem Holz, blecht das Blech oder gurrt die Stimme, Dee Dee Bridgewater bietet „Love for sale“ in einer Weise, dass hoffentlich die Kinder schon im Bett sind, denn das ist definitiv „Explicit“ im Ausdruck. Der Boxenverschieber in mir gewinnt die Oberhand, 40 weitere Zentimeter in den Raum lassen den Bassüberhang verschwinden und Faun Mesicek findet mit 10 cm wieder zurück  letztendlich den Sweetspot**. So muss es sein, so wollen wir es jetzt hören.

Modernes Konzept mit altmodisch gutem Sound

So klein und dabei ein richtige HighEnd-Amp

Habe ich schon erwähnt dass auch der Verstärker in die Kategorie Bonsai gehört? 20 cm breit , 18 tief und nur 7cm hoch , in elegantem Weiß und mit goldenem Lautstärkeknopf , das hat schon was. Vor allem – wieder kaum zu glauben – Kraft. 2 mal 50 Watt an 4 Ohm ist absolut genug für die meisten Lautsprecher , sogar jene mit weniger Wirkungsgrad wie die hier betriebene Terza von Chario ( 84dB SPL) . Die Kraft wird aber mit Lust gepaart und sorgt für opulenten Klang , kein Digitalsound weit und breit, Klarheit ohne Schärfe, Wärme ohne harmonische Verzerrungen , ein schön gestaffeltes Bühnenbild in Breite und Tiefe. Sehr interessant ist auch das Konzept des Mini-Amps. Ein analoger Eingang, ein weiterer mit Mini-Klinke, optischer TOSLINK und Bluetooth. Und (!) eine Cinchbuchse für den Subwoofer, falls die Bass Frequenzen auch unterhalb von 80 Hz aktiviert werden sollen .

chario_quadro

Bluetooth, analog-in, Sub-Out, Miniklinke-In, Optisch und LS x2

Der Chario Quadro – vermutlich wegen der vier verschiedenen Eingänge so genannt – spricht also den modernen User an, der zuerst mal vom Handy oder iPad Musik übermittelt, auch den TV oder die Playstation anschliessen möchte und vielleicht sogar einen Plattenspieler; nachdem das aber bereits so wenige sind ist der Preis nicht durch den meist überflüssigen Phonoverstärker verdorben und bleibt bei geradezu lächerlichen 399.- Euronen. INKL!
Musik in allen Schattierungen, opulent dargeboten, mit einem Platzbedarf der auch in einer Telefonzelle von Studentenzimmer zu finden ist; Herz was willst du mehr. Wir sind beim HighEnd-Faun, und daher …

A bisserl was geht immer noch

Die Diskussion um die Qualität der zum Preis von 499.- äusserst preiswerten Chario Terzas ( das Paar !)  lockt natürlich den Stachel bei Meister Mesicek, und das ein Verstärker um 399.- nicht unbedingt das Ende der Fahnenstange ist, auf der die HighEnd Flagge gehisst werden kann, ist klar. Und nein , wir reden auch nicht über 5000.- Euro oder mehr als nächste Stufe des Verstärkerbaus , wir reden von – in HighEnd Kreisen immer noch als Einstiegspreis verstandenen  – 1300.- , die man für den „CROFT Integrated „ hinblättern müsste, in dem Fall bereits mit eingebautem Phonoteil. Dann geht aber die Bühne noch ein paar Meter weiter auf und auch noch etwas weiter nach hinten . Croft Integrated PhonoDann glänzt der Saitenklang von Milos noch seidiger , das Vibraphon von Milt Jackson hat nicht ein paar Hundert sondern viele Tausend Schattierungen in der Klangdynamik und die Hammondorgel von Martin Michels Hammondjazz atmet puren Groove. „A Case of you“ von Diana Krall wird a case for me, ich eile an die Bar um sie dort zu treffen.

Der Croft ist übrigens ein Hybrid Verstärker, mit Röhren in der Vorstufe und MOSFET Transistoren ohne Gegenkopplung  in der Endstufe. Das macht vor allem eines : Große Freude beim Hören. Eine Musikalität ohne gleichen , eine Malakofftorte für die Ohren, aber auch Thors Hammer und Sichel wenn sein soll, aus Damaszener-Stahl, mindestens 16 mal gefaltet. Ich höre jetzt die „Experten“ aus dem „Open-End-Music Forum , dass ein Verstärker nicht musikalisch sein kann und gefälligst nur das Eingangssignal verstärkt an den Lautsprecherausgang zu liefern hat. Das ist ungefähr so klug wie dass ein Schauspieler gefälligst den Text des Autors bestmöglichst abzulesen oder auswendig aufzusagen hat. Jo eh.

Croft Integrated open

Großer Ringkerntrafo, Röhrenvorstufe und MOSFET-Endverstärker, HighEnd Menü vom Feinsten  ©inputaudio.de

Wer Ohren hat der höre, Das Gehirn und die ca 1 m tiefer liegenden Sinnesorgane dazu schalten nicht vergessen.  Für mich war der Croft der interessanteste Verstärker, den ich in den letzten Jahren gehört habe. Im Klang UND im Preis.

The Return of the Reference -Quad

Wie kann man behaupten ein Verstärker wäre so überragend gut, wenn man ihn „nur“ an einem 500 Euro Lautsprecher gehört hat ? Kann man nicht , aber da war ja noch ein 4tes „Schnäppchen“ im Spiel von dem zu berichten wäre . Und hier kommt ein Name ins Spiel der selbst den seit 1975 tätigen Mannen von Chario als Historie gilt: QUAD***. Diese Marke lies schon immer den Schauer des Wohlseins über den Rücken rieseln, QUAD ist sozusagen die sprichwörtliche Musikalität im Lautsprecherbau. Jahrzehnte die Referenz für Wohlklang , haben die Leute offenbar auch heute Ihr Handwerk nicht verlernt , und wie einige der „alten Riege“  (sprich ELAC, CHORD, Threshold/Schhiit ) ihr Herz und vor allem ihre Entwicklungsabteilung auch für weniger Betuchte geöffnet.

Quad_S2

Quad S2 ©Quad

QUAD S2 , ein Zweiweg-Lautsprecher mit Bändchenhochtöner und Klavierlack-Dress lies für uns die Qualitäten des Croft Integrated noch deutlicher zu Tage treten, Gleich musikantisch wie die Chario-Terza aber noch feingliedriger eleganter, zum Rot des Montepulciano quasi noch das Eichenholz und der Rauch des Single Malt. Oh mein Gott , ist das nicht eigentlich verboten dass ein Lautsprecher um 899.- Euro/Paar so gut klingen darf? Ein Croft Integrated und ein Paar Quad S2 um knappe 2000.- als Einstieg in mindestens die HiGhEnd Mittelklasse , in die sonst unter 15.000.-  kein Weg führt.

 

 

Wenn sich die Gemüter wieder beruhigt haben, folgt in den nächsten Tagen noch ein Nachwort, das ich aber in guter ‚Nemawashi‘ Tradition noch ein wenig behirnen will.

 

*Sara war da mittlere Modell der ersten LINN Lautsprecher, zwischen der legendären Isobarik und dem Wunderkind Winzling Kan. Gemäß dem Stabilitätsgebot des Hauses war der Stand viel robuster als das Gwicht der Box verlangt hätte, deswegen aber auch sehr vibrationsarm.
** QUAD war lange Zeit in der HiFi Szene ( damals war HiFi aus England noch grundsätzlich hochwertig) der Inbegriff von Musikalität im Lautsprecherbau, bedingt durch die Bauweise als Elektrostat und die Heritage britischer Klangorientierung. Alle Hersteller haben damals diesem Klangideal nachgeeifert, erst viel später wurde (knallharte) Transparenz deutscher Klanglogik eine zweite Religionsausprägung.

DOA oder wie mir Seiji Ozawa beim Verstehen der Kii Three behilflich war

Ein Versuch über die Grenzen der Kontrolle

Selten haben mich neue Lautsprecher so beeindruckt, verwirrt und beschäftigt wie das Modell Three von Kii Audio. Und ich gestehe schon viele Lautsprecher unter mehr oder weniger kontrollierten Bedingungen gehört und beurteilt zu haben.

Begonnen hat alles wie immer mit Berichten „im Netz“ bzw. in HiFi Magazinen. Kii Audio sei derzeit das Maß aller Dinge, so klein wie großartig in der Performance, neueste Technologie gepaart mit wissenschaftlicher Messgenauigkeit und innovativer Anwendung einer Kombination von Digital Signal Processing, 6 Lautsprechern und 1500 Watt Digital Amps pro Box!  Auf 40 x 20 x 20 cm, satte 15 kg schwer. Da geht dir die Vorstellungskraft entweder aus oder durch. Und es hilft nur eins: Wo kann man die Teile hören! .

Überraschung Nr 2: In unserem Land nur an 2 Plätzen, beim für frühe Adaption ungewöhnlicher Wandler wohlbekannten HiFi Team Czesany  in Graz und in der ebenso für die Jagd nach der höchsten Klangqualität bekannten Kopfhörer-Boutique von Andreas Pohnitzer. Für alle die letztere Location noch nicht kennen : Wie der Name schon sagt handelt es sich um ein relativ kleines feines Geschäft , das für seine riesige Auswahl hochwertigster Kopfhörer und dazu nötiger DACs und Verstärker normalerweise ja auch nicht all zu viel Platz braucht. Und hier kommt auch schon eine wesentliche Eigenschaft der zu behorchenden Kii Three zum Ausdruck: Durch die geniale elektronische Behandlung der Bass-Abstrahlung funktioniert tiefer Bass auch in kleinen Räumen, da die Kombination von 4 Woofern eine hauptsächlich vorwärts gerichtete Basswelle erzeugt und Rückwürfe der Wand hinter dem Lautsprechern reduziert werden. Mehr dazu auf der Kii Audio Website 

Nachdem die homöopathischen Öffnungszeiten der Kopfhörer-Boutique endlich mit den eigenen Zeitplänen in Einklang gebracht wurden, nun also der große Nachmittag.

Bei Andreas Pohnitzer kann man entweder seinen interessanten Musikgeschmack geniessen oder eigenes Tonmaterial zum Klingen bringen und das haben wir ( mein HiFi-„Brother in Crime“ und Linn-Freund  Peter und ich) dann auch ausgiebig gemacht.

OMG! – Ist denn das möglich ?

Und da gibts zuerst einmal eine Unzahl von WOWs , „Na seawas“ , „Bist du narrisch“ und „Wahnsinn“- Momente.

Die Kii Three ist unfassbar neutral, der Frequenzgang nicht nur auf dem Papier sondern auch klanglich unglaublich ausgewogen, keine Bevorzugung, keine Delle irgendwo.  Bass in nicht vorstellbaren Mengen und Tiefen, immer voll unter Kontrolle. Wer bei „We Want War“ von These New Puritans seine Hosenbeine flattern sehen will, no problem. Wem nach einem gezielten Schlag in die Magengrube beim „Bass & Drum Intro“ der Nils Lofgren Band ist, gerne. Und auch der städtische Panzerhandschuh ( „Urban Gauntlet“ ) von Kevin MacLeods „Final Battle“ knockt dich aus, ohne mit der Wimper zu zucken, Bummm, trocken, machtvoll, gnadenlos. Andererseits gibts eine Auflösung die ihresgleichen sucht, Weite und Breite in kaum gehörtem Ausmaß, Tiefe als gäbe es keine Rückwand im Konzertsaal. Jose Carreras singt Misa Criolla mit Inbrunst, eine riesige „Surdo“ klopft 50 m weiter hinten als Mahnung ans Himmelstor, die Chormitglieder können trotz großer Zahl quasi einzeln begrüßt werden. Diane Krall beendet ihr Pariser Konzert mit „A Case Of You“ , man sieht wo und fast auch wie sie sitzt, die Klaviermechanik klingt hölzern wie es sein muss, die einzelnen Bereiche der Klavierharfe strahlen das jeweils charakteristische Spektrum des Klanges unterschiedlich ab,  passend nach Tonhöhe und Dynamik geordnet.

Perfektion aus allen Rohren

Trombone Shorty bläst „Backatown“ mit Groove von fettem Bassrhythmus getragen, Michel Legrand fächert seine Big Band quer durch den Raum, sein versprechen „ I Will Wait For You“ ist aber nicht nötig, weil die Kii Three so „schnell“ sind, dass sie jedem Impuls sofort folgen, ohne ihn ungebührlich nachschwingend zu wiederholen. Und weil alles so perfekt da ist, schraubt man die Anforderungen nochmals höher und ruft das Hilliard Ensemble auf um „Sanctus & Benedictus“ von Ockeghem zu erlangen. Wie erwartet auch hier eine Klarheit, als könnte man jedem Ensemble-Mitglied die Rötung der Mandeln prüfen, kein Hauch von Schärfe, alles neutral und ungeschönt.

Atemlos !

Und plötzlich wie aus heiterem Himmel die Erkenntnis: Es ist uns völlig egal! Kein wohliger Schauer, kein Rieseln über den Rücken. Und auch Diane Krall war uns absolut „wurscht“ wie man in Österreich so treffend sagt. Schnurzpiepegal ! (für unsere Nachbarn im hohen Norden). Oder wie Peter es nannte: „Es atmet überhaupt nicht“. Kein Fuß wippt, kein Tanzbein zuckt bei Trombone Shorty , selbst der großartige Nick Cave mit seinem überragenden „Skeleton Tree“ Album berührt uns hier ausnahmsweise nicht ein bißchen. DOA –  Dead on Arrival.

Wie kann das sein ? Wie ist es möglich , dass ein Lautsprechersystem , das von unter 20 Hz bis über 25 kHz jede Frequenz perfekt überträgt , das eine Impulsantwort liefert von dem fast alle anderen Lautsprecher nur träumen , das Dynamik ohne Ende bietet , vom pianissimo  Mahlerischer Dimension bis zum Electro Dirt der Infected Mushrooms, dass also so ein geniales System so vollkommen unberührt lässt. Bei Titel und Tracks , die zu Hause auf den mehr als 30 Jahre alten „Rauna Ymer“ – Lautsprechern von Bo Hansson an einer Linn-Endstufe und mit 100 € DAC von Schiit aus dem gleichen Macbook Pro die Tränen waagrecht aus den Augen treibt ?!? Woran liegt es dass der Fuß nicht wippt, die Gänsehaut ausbleibt?

Was fehlt? Oder ist gar etwas zu viel?

Hier kommt mir meine Vergangenheit als Produktmanager bei AKG und Technics in die Quere, die mich ersucht den Entwicklern eine Antwort auf die Frage zu geben: Was sollen wir anders machen, wo verbessern. Und ich erinnere mich an Freund Staribacher von der Mozartband der damals als Alpinkatz das Bindeglied zwischen der Entwicklungsabteilung der Musikermikrofone und der „Welt der Bühne“ war. „ Des Mikrofon hot kan Bock“ war seine geniale Analyse eines Prototypen; „bei welcher Frequenz und Amplitude findet sich der Bock“ die lapidare Antwort der Techniker. Frequenzgang ruler flat, Impuls kurz und ohne Nachschwingen, was will man mehr, was kann noch besser sein?  Wie definiert man „Air around the instrument“? Was bedeutet „Emotionale Musikwiedergabe“ in dB und Hz ?

Auf der Suche nach Antworten woran es fehlt, wenn eine Wiedergabe nicht berührt, fällt mir zuerst eine Analogie aus dem Musikerbereich ein: Die Rhythmusmaschine. Oder auch das gefürchtete „Auto-Tune“ . Erstere produziert einen exakten Beat immer und überall, Mikrosekunden genau und … langweilig bis zum geht nicht mehr. Zweites ist die automatische Korrektur eines schwachen Sängers bzw. Sängerin , der die richtige Tonhöhe nicht findet und daher gerade gebogen wird von flinker Echtzeit-naher Elektronik. Wenn also alles perfekt ist, elektronisch korrigiert „richtig“ gemacht, wird die Wiedergabe immer weniger lebendig, mechanischer und Emotionalität geht mehr und mehr verloren. Kein Flow mehr, alles unter Kontrolle. Kann man damit auch übertreiben? Ja , kann man behaupte ich einmal. Der Knackpunkt liegt zwischen Regelung der mechanischen elektrischen Eigenschaften des Lautsprechersystems zum Vermeiden von Unregelmäßigkeiten und Eingriff in das Ausgangssignal bzw. dem Content. Und ich kann dafür auch noch einen besseren Zeugen aufbieten als meine bescheidenen Kenntnisse der Tontechnik, HiFi-Geschichte und Akustik.

Maximum an Kontrolle ≠ OptimumAbsolutely_on_music

Ich lese gerade das geniale und allen (klassischen) Musikliebhabern unbedingt ans Herz zu legende Buch „Absolutely On Music“ von Haruki Murakami. Als genialer Hörer und Plattensammler spricht Murakami mit dem Dirigenten Seiji Ozawa über seine Erfahrungen mit Bernstein, Karajan, den Bostoner und Wiener Philharmonikern und vieles mehr. Und er spricht in einem für mich – und in diesem Zusammenhang – hochinteressanten Phänomen der Annäherung an Gustav Mahler. Wer sich so wie zB Fritz Reiner an Mahler annähert und versucht in der Manier Beethovens die Partitur exakt nachzuvollziehen und perfekt so spielen zu lassen wie es in den bis ins kleinste Detail vorgeschriebenen Notenschriften steht , wird nicht zu dem großen Klangergebnis kommen, das Mahlers Klangschönheit auszeichnet. Wer dagegen das Glück hat ein klanglich überragendes Profiorchester wie die Wiener Philharmoniker zu dirigieren , kann, ja muss sogar die einzelnen Schichten der Partitur den Musikern überlassen und sie einfach spielen lassen, ohne militärische Genauigkeit einzufordern. Erst dann entwickelt sich ein großes Ganzes, das als großartige Klangskulptur den Eindruck vermittelt, der Mahler vorgeschwebt hat als Ideal.

Elektronisch ja aber …

Kommen wir zurück zu den Kii Three im speziellen und DSP und ähnlichen generell. Ich behaupte dass ein Zuviel an Kontrolle der Musikwiedergabe nicht mehr dient sondern sie entmenschlicht. Ich behaupte NICHT, dass elektronische Unterstützung der Raumanpassung zB per se schon schlecht sein müssen; Trionov, Lindemann und vor allem Lyngdorf fallen mir hier spontan als gelungene Beispiele elektronischer Regelungen ein. Ich glaube auch nicht, dass die Elektronik zwischen Quelle ( Macbook Pro mit verschiedenen CD, HiRes und AAC files)  und Kii Three den Klangcharakter negativ beeinflusst haben, da ich zB. die Auralic Streaming Bridge schon in wunderschönen Darbietungen gehört habe und das zusätzliche artistic fidelity USB-Modul in diesem Zusammenhang sicher klangneutral ist. Bei der freundlichen Empfehlung in welcher Richtung ich als Kii Audio Entwickler weiter forschen würde kommt mir nur „ die Zügel etwas lockerer lassen“ in den Sinn, um so das Leben der Aufnahmen wieder zurück zu gewinnen. Und dass ich Kii Audio weiter mit größtem Interesse verfolgen werde und hoffentlich noch oft hören kann, davon kann man getrost ausgehen. Persönlich verspüre ich aber noch keinen Kaufimpuls, auch wenn sie viel mehr können als 10 000 € für das Paar  und vor allem Ihre Baugröße vermuten lassen. Die Diskussion ist eröffnet.

Der zweite Besuch vom alten G. – schöner als je zuvor!

Total recall

Nun ist sie also da , die Platte auf die ich mich soo gefreut und vor deren Erscheinen ich mich zugleich auch ein wenig gefürchtet habe.
Message from G.:  3 grandiose Abende von Friedrich Gulda im Jahr 1979 im Goldenen Musikvereinssaal. Wiederveröffentlicht auf 6 Lp’s , jede 180 Gramm schwer. Aber auch auf 4 CD’s in schöner Kassette und ebenso mit ausführlichem Büchlein dazu. Warum ich mich vor dem Erscheinen schon der ersten Auflage – damals bei MPS erschienen – gefürchet habe, steht nicht in dem Beiheft, daher hier einige Erklärungen und Erläuterungen zum Entstehen der Original Aufnahmen. Und ein wenig Hintergrundinfo zu einigen Stücken , sowie persönliche Eindrücke der neuen Klangvielfalt.

 

Direkt für den Meister, mit Technik vom Feinsten

Mein Kollege Ernst Mack und ich waren damals Roadies, Bühnentechniker und Assistenten von Friedrich Gulda und haben viele Jahre sein Equipment betreut.  Dazu gehörten Tontechnische Aufgaben zu Hause am Attersee in Weissenbach und auch auf den Bühnen die Gulda bespielt hat zwischen 1974 und 1979. Natürlich auch  Aufnahmen für seinen Privatgebrauch zu machen, sozusagen als Privatarchiv , „Making Of“- Dokumentation oder wie immer man das nennen mag. Gulda – wie bei den meisten Giganten ist bei ihm ja ein Name genug – wollte also immer mitgeschniten haben, was er so öffentlich aufführte um es dann zu Hause in Ruhe nochmal geniessen zu können, was allerdings dann überraschenderweise eher selten vorkam. Dazu wurde an feinster Technik nicht gespart, AKG steuerte die Studio-Kondensator – Mikrophone bei ( nein, nicht als Promotion , sondern durchaus voll bezahlt), Tannoy  seine 56 kg schweren damals unter HiFi-Freunden legendären „Arden“ Lautsprecher, und zum Aufnehmen natürlich Revox, A77 wenn ich mich recht erinnere.

Die zu Hause als Monitor verwendeten Tannoy Arden waren auch auf der Bühnen die PA Lautsprecher, da Gulda klanglich immer das Beste wollte, auch wenn ’nur“ einige Reminiszenzen zugespielt wurden oder die Bassblockflöte und vor allem das elektrisch modifizierte Clavichord einen großen Saal füllen mußte. Da wir zumeist seitlich von oder hinter der Bühnen saßen und mit halboffenem Kopfhörer so recht und schlecht kontrollieren konnten wie gut die Aufnahme grad lief, war der Qualitätsanspruch natürlich nie gleichzusetzen einer professionellen Aufnahme mit akustisch abgetrenntem Hörstudio, penibel eingemessenen Mikropositionen oder Hallmaschinen und anderen Möglichkeiten wie zB. spezielle Filter oder ähnliches.

Andererseits war das Ergebnis unserer Aufnahmen ein absolut direkter Mitschnitt, klanglich von Gulda himself „abgenommen“, genau so wie er in der Position des Pianisten das Klavier , das Clavichord oder Ursula Anders am Schlagzeug eben hören wollte. Der Verzicht auf übermässige Misch- und Filtermöglichkeiten hat somit auch einen gewissen „Direct to Tape“ Charme, eben grad NICHT optimiert auf die 8 Reihe im Musikverein sondern auf den Sitz vor dem Bösendorfer Imperial in all seiner Pracht und Herrlichkeit.

Die Kunst der Masterei

Trotzdem aber fuhr uns der Schreck ganz schön in die Glieder als Gulda entschied die persönlichen Archiv-Aufnahmen werden freigegeben für eine große LP Veröffentlichung. Den damals 26 jährigen Roadies mit gerade noch nicht beendetem Studium der Nachrichtentechnik war zugegebener massen denn doch etwas Angst und Bang bei dem Gedanken. ABER die großartigen Tonmeister der Klangzaubereifabrik MPS , damals State of the Art der Schallplattenstudios in Europa haben in geradezu unglaublicher Leistung die Tapes zum Leuchten gebracht dass es so seine Bewandtnis hatte. Und Christoph Stickel von den msm Studios in München hat diese Leistung anlässlich der Neuveröffentlichung noch übertroffen . Seine Ausleuchtung dessen, was die Original Tapes hergeben ist schlicht atemberaubend. Hätte die Deutsche Gramophongesellschaft diese Aufgabe übernommen wären es Halogenscheinwerfer gewesen , mit denen gnadenlos das letzte Staubkorn zum Sägezahn vergrößert wäre der die Trommelfelle perforiert. Christoph Stickel aber hat sich bei Barry Lyndon – oder besser bei Stanley Kubrik- die ganz großen Kerzenleuchter geborgt um zwar viel Licht aber auch den guten Glanz in die Verborgenheit der Aufnahme zu bringen. Der Bösendorfer darf Bösendorfer bleiben , mit Wucht – schließlich war es der ganz große mit extra tiefer Oktave – aber auch Wärme, die ihn vom Steinway und Yamaha so wohltuend unterscheidet. Daher hier noch ein paar persönliche Anmerkungen zu den besten Stücken der Aufnahmen :

Chromatische Fantasie und Fuge

Gulda beginnt am Clavichord und erinnert ein ganz klein wenig an die „Teufelsaustreibung von Viktring“, wo er vor der versammelten „Haute Volee“ von Kärnten das vertraglich zugesicherte Programm in doppelter Geschwindigkeit absolvierte und so zu einem Skandal beitrug, bei der die schön Gekleideten handgreiflich wurden, während die Langhaarigen friedlich warteten auf den ungestörten wunderbaren zweiten Teil des Konzertes ohne „Seitenblicke“ – Gesellschaft. Aber schon sehr bald weicht die Wut über Schicki und Micki und  Gulda geniesst selber sein Können und schnurrt den Bach aus dem elektrisch verstärkten Holzkisterl, dass es so seine Freude ist.

Klavichord Mechanik

Taste A teilt mit Metalldorn 1A die Saite 3 und kann sie auch vibrieren lassen.

Wie aus der Skizze ( Dank an Wikimedia Commons) zu sehen ist, wird beim Clavichord die Saite von einer Metallspitze am Ende der Taste zugleich angeschlagen und geteilt. Damit ist dies die Ausnahme unter den Tasteninstrumenten, da nachträglich der Ton verändert werden kann und so Vibrato bis zum Bending möglich ist. Zugleich bedeutet das aber leider auch dass der kleinste Druck zuviel die Tonhöhe verändert, zuwenig Druck zum Prellen und damit unsauberem Klang führt. Deswegen hat keiner der Pianisten die Guldas Clavichordspiel bewunderten den Mut und das Können bewiesen selber auf der Bühne diese Gratwanderung zu beschreiten.

Im zweiten Stück, der Arabisch Zigeunerischen Fantasie zeigt uns der Meister dann erst recht, wo Gott wohnt im Clavichord. Die Tasten werden gedrückt, gehalten, geschwungen , die Saiten auch händisch zur Zither bis Harfe  gewandelt. Und weils so schön ist wird auch noch gesungen dazu. Hier zeigt sich die gesamte Breite des Gulda’schen Klangkosmos und Musikerlebens.  Da das ursprünglich als Reiseklavier dienende Instrument bestenfalls sehr nahestehende Zuhörer „bespielen“ könnte, wurden zwei Gitarrenpickups zur Verstärkung eingebaut, dementsprechend rockig klingt das Instrument daher auch in größerer Verstärkung. Wiedergabe natürlich über die HiFi-PA.

Preludium und Fuge aus dem zweiten Wohltemperierten beweisen anschliessend einmal mehr , das Guldas Finger nicht von dieser Welt waren, so göttlich präzise und musikalisch feuerwerken sie dahin.

Anschliessend kommt eine sehr selten bemerkbare Seite des  Ausnahme-Interpreten Gulda zu Tage, die Vaterliebe. Auch wenn seine Söhne nicht oder nur selten bei ihm gewohnt haben, hat er sie doch innig geliebt , es gibt kaum einen schöneren Beweis als die heiter melancholischen Stücke „Für Rico“ und „Für Paul“ ( letzteres am Klavier). Vorher aber noch einmal intimes Clavichord mit dem Italienischen Konzert von Johann Sebastian und dem von Gulda eigentlich für Schmalztenor komponierten Aria, das emotional theatralisch in die Vollen greift. Hier wird fast unmerklich vom kleinen Clavichord zum großen Flügel gewechselt . Denn, wie es laut Otty M. Zykan Beethoven zugeschrieben wird : „Man kann nicht in großen Gesten wühlen, wenn nur 25 Leute spülen“. Und Gulda lässt ein großes Orchester erklingen am Ende der Aria, und auch in „Introduction and Dance“ im Anschluß daran. Hier spannt der Bösendorfer seine musikalischen Muskeln und tönt farbstark und klar in die Welt. Es ist zu hoffen der zu Hause verwendete Verstärker hat genug Reserven um diese Power von LP oder CD mühelos zu entfesseln. Denn auch auf den beiden folgenden Stücken Variations und Prelude and Fugue von Gulda „fährt “ der Bösendorfer Imperial ab wie eine Jazzbigband. Höchste Lust gepaart mit goldenem Glanz. „Siehe dazu auch die Liner Notes von Ursula Anders. Der Zuhörer geniesst und schweigt. Krönender Abschluß der berstenden Bösendorfer Bombastik ist „Light my Fire“ , mehr flammendes Inferno als Lagerfeuer hier. Muss auf einer Magico M-Serie zum Weinen schön sein. HighEnd 2017 bitte melden.

Mozart der Freund des Blues

Joe_Venuti

Joe Venuti

Tag 2 beginnt mit meinem absoluten Lieblingsstück. Gulda erweist dem gerade verblichenen legendären Jazzgeiger Joe Venuti seine  Reverenz , eine begleitende Hand am Flügel, die Leadstimme am Clavichord. Und die fast heilige Stimmung wird unmerklich übertragen in Mozarts D-Moll Fantasie als wäre der Wolferl ein guter Freund von Joe Venuti gewesen und würde auch ein paar Takte beisteuern. Ganz großes Kino kommt hier rüber, so berührend, dass selbst die Live-Tonmeister nicht immer an ihre Aussteuerungsinstrumente denken und nachfolgende Masteringenieure alle Hände voll zu tun haben die Mißgeschicke zu verbergen.

Sorry im Nachhinein.

Fantasie in C-Moll dann nicht weniger berührend, wer diese Interpretation gehört hat kann den größten Teil der Aufnahmen des gleichen Stückes im riesigen Repertoir klassischer Aufnahmen auf LP, CD oder Streaming nur mehr schwer ertragen. Selbst berühmte Namen unter  nachfolgenden Pianisten bringen diesen Zauber nicht zu Tage.

Auch am zweiten Tag wird Nina Carina angehimmelt  ( Aria Version 2 ) , bis der alte G vom noch älteren Alter Ego Golowin Gesellschaft bekommt ( per zugespieltem Tape) und vom Gulda auf der Bühne mit Klavier und vor allem Flöte begleitet wird.

Der Albtraum der Klavierstimmer – die Flöte.

Hier noch eine kleine Anekdote zum besonders warmen Klang des Bösendorfer Flügels. Während moderne Orchester zum Teil das Stimmgebende A auf 444 bis 447 Hz angehoben haben – und damit die Klaviere im Musikverein so bereit stehen- , ist Guldas Blöckflöte am schönsten bei ca 436 Hz , dementsprechend der Wunsch des Maestros den Grande Bösendorfer extrem tief gestimmt zuzubereiten. Der Gesichtsausdruck der Klavierstimmer war in diesen Momenten der Ansage zumeist zwischen “ Sie können wählen zwischen Pest und Cholera “  und “ Leider müssen wir das Instrument nachher wegschmeissen “ einzuordnen. Dem Gott des Klanges sei es gedankt dass Gulda sich ziemlich weit durchsetzen konnte und seinen Wunsch zumeist unter 440 HZ erfüllt bekam.

Die „Klänge und Düfte “ von Debussy , „Ondine“ und auch „Die Terasse der Mondlicht- Audienzen “ war somit ein Fest des wohligen Klanges, durchaus auch mit Glanz des Mondlichtes aber eben mit menschlicher Wärme durchsetzt statt mit Überbelichtung.

Poem der Liebe

Den Abschluß des zweiten Abends gestaltete Gulda gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin Ursula Anders am Schlagzeug. Große Gefühle natürlich auch hier im freien Spiel, gekrönt mit dem berühmten Gedicht der sonst viel zu unbekannten Karin Kiwus.

So oder so

Schön
geduldig
miteinander
langsam alt
und verrückt werden

andrerseits

allein
geht es natürlich
viel schneller

Gulda verändert hier den Text zu „langsam alt und normal werden “ , um seine Abneigung gegen das normale Leben zum Ausdruck zu bringen. Ein schöne intimer Moment, der zuerst in ein großes Finale und zum Schluß in mystische Welten führt, gleichsam als Vorschau auf Tag 3 .

Bassblöckflöte bestimmt den Beginn des Besuches vom alten G. , diesmal ist sowohl Gulda als auch Goethe gemeint, dessen westöstlicher Diwan für Gulda grad recht kommt als Ruhebasis und zugleich Beginn großen Theaters. Wo Mystik vom Schlagzeug unterstützt ist , ist auch das mit anfangs leichter Hand “ geschlagene“ Clavichord nicht weit. Nachdem kurz etwas wilder zur Sache gegangen wird, rezitiert Gulda den anderen alten G. Ich gestehe dass dieser Teil nicht zu meinen Lieblingsstücken gehört , genauso wenig wie die Fortsetzung von Teil 1 . Da ist der Beginnvon Teil 2 schon viel interessanter, in dem quasi eine Reminiszenz des Piano-Battles in Moosham bei den zweiten Tagen Freier Musik geboten wird. Dort konnte Gulda ja zeigen, dass seine  Fähigkeiten ausreichen sogar dem König des Free Jazz Piano Cecil Taylor in seinem Metier gleichrangig zu begegnen. High Speed , High Energy, Herz was willst du mehr. Minuten später ist die Zärtlichkeit des Spiels kaum zu übertreffen, quasi das Echo des vergangenen Debussy Tages, der ewig junge G als Faun der seine Elfe Ursula umgarnt mit betörendem Klavierspiel und später auch an den Flöten. Ich bevorzuge den Pianisten.

Der ungestüme Abschiedsapplaus gilt allen drei Tagen, der gesamten Bandbreite an überbordender Musikalität, legendärem pianistischen Können und grenzenloser Hingabe. Vielen Dank an Edel und das Team um Sven Schuhmann die diese 3 Tage nochmals in großartiger Form zuänglich gemacht haben.

Um 40.- Euro ist die CD Version schon fast ein Geschenk , dafür darfs bei der 180 Gramm Vinyl Ausgabe für Freunde der LPs schon an die 150.- sein. Nicht nur für Audiophile ein Sammlerstück.

Box Message from G.

Eine schöne Box wird zum audiophilen Set verEDELt . Der Vergleich macht sicher.