Gemischte Gefühle – großartige Klangbilder

Traditionsgemäß steigt der Puls der HiFi-Freunde in Österreich und Umgebung Anfang November merklich an, die Klangbilder Messe ist wieder zu feiern .
Es wundert immer wieder dass Dr Flich allem Jammern der Fachhändler und Übersättigung mit Unterhaltungsangeboten des Publikums zum Trotz eine tolle Hotelmesse aus dem Boden stampft. Im durchaus angenehmen Ambiente des Arcotels Kaiserwasser (dessen guter Eindruck allerdings noch immer von den überzogenen Getränkepreisen konterkariert wird) waren diesmal das Erdgeschoß und der 5.Stock fast gänzlich gefüllt mit Darbietungen der verschiedensten Art.

1 Die HiFi-Messe

Die einzige Möglichkeit eine HiFi Anlage unter halbwegs realistischen Bedingungen zu hören ist die Verteilung vieler Aussteller auf kleine bis mittlere Räume und große Salons , damit das State of the Art Angebot auch adäquat präsentiert werden kann. Selbstverständlich sind die Gipskartonwände kein ideales Umfeld für High End, als Ausrede lassen wir sie trotzdem nicht gelten, da auch die Wohnzimmer akustisch nicht gerade perfekt zu erwarten sind und last but not least der Händler/Aussteller der Wahl auch zeigen sollte, wie man in weniger perfektem Rahmen trotzdem großes Hör-Kino bieten kann.

2. Das musikFestival|16 „GrenzenLos“

Einzigartig für die Klangbilder sind die mannigfaltigen Auftritte renommierter Künstler und Aufnahme-Experten , die uns erinnern dass es nicht um dB oder Hz sondern um Allegretto und Mezzoforte geht, manches Mal mittelalterlich beschaulich und oft auch Crossover dramatisch . Leider von zu wenig Publikum erlebt und manchmal auch schlicht und einfach brachial zu laut um den Rest der Veranstaltungen auch leben zu lassen .

3. Die Fachvorträge :

Hier wäre durchaus noch ein mehr an Angebot mit Backgroundwissen gefragt , egal ob Digitaltechnik, Akustik, New Technology oder Aufnahmeverfahren. Als einer der Vortragenden möchte ich aber dazu eher die Beurteilung dem p.t. Publikum überlassen . Interessant könnte sein einige Kenner jeweils 30 Minuten die in verschiedenen Zimmern angebotenen Anlagen ausreizen zu lassen und so in einer Art neutralen Präsentation Vergleiche zu vereinfachen. Traut sich wer ? Um die Schallplattenführungen des Dottore Flich beneidet uns aber jedes HiFi-Festival der Welt, das kann er am allerbesten von allen.

The BAD – Die Unkultur treibt fröhliche Urstände.

Statement NAIM

This room ain’t big enough for the two of us …

Beispiel A) Leser dieses Blogs wissen , dass der Autor eine durchaus pointierte Meinung äußern kann, wenn der Hauptzweck ordentlicher Vorführungen allzu schlampig erledigt wird. Es ist mir absolut schleierhaft wie intensiv einzelne Repräsentanten ankommende potentielle Kunden ignorieren können . Der aktuelle Zustand der Facebookeinträge scheint Priorität eins zu haben bei der Sound Company. Schade denn Meridian hätte vielleicht echt was zu bieten gehabt , mit solchen „Vertretern“ allerdings schwer heraus zu finden.
Beispiel B) Unweit davon wollte uns Simply HiFi davon überzeugen dass Harbeth quantitativ extremes leisten kann, da dazu extra die Türen sperrangelweit offen waren kamen mehrere in den „Genuss“ dieses Versuches. Dient außer der schlechten Laune niemandem.
Kleiner Tipp für alle „Quantitatisten“ : Das menschliche Ohr neigt ebenso wie schlechte HiFi-Komponenten zu Kompression bei Überlastung , man hört weit über 100 dB Schalldruck also WENIGER und NICHT BESSER .
Beispiel C) Man kann sich ein mittelgroßes Zimmer mieten und dann Lautsprecher/Verstärkerkombinationen vorstellen versuchen die für 200m2 Wohnzimmer geeignet sind. Das geht aber kaum gut und zeugt schon gar nicht von Kompetenz des Repräsentanten. Ein sehr guter würde nämlich die gerade noch sinnvolle Größe wählen und so für optimales Ergebnis sorgen . Noch eine Bitte an die Herren Präsentatoren ( Damen waren absolut nirgends anzutreffen in auflegender Rolle): Man muss einzelne Titel nicht unbedingt 10 Minuten ausspielen. Es gibt in einem oder 2 Tagen hunderte Proben  zu erleben , da wäre kundengerecht durchaus manchmal ein schnellerer Wechsel der Stimmung angesagt.

Headphone-Mania am Weg zum Dancing Place?

Einen ehrlich gesagt gemischten Eindruck hinterliess bei mir diesmal die Kopfhörer-Abteilung. Hat der in letzter Zeit geradezu raketenhafte Aufstieg dieser Kategorie eine Abflachung erfahren, den einer meiner japanischen Chefs immer so euphemistisch „Dancing Place“ nannte. Oder liegts daran, dass die Vorführtische ein bisschen gar unaufgeräumt waren und einfach alles auf einen Haufen bereit gelegt wurde, ohne erkenntliche Gruppierung nach Hersteller, Preiskategorie oder eventuell auch Technologie?   Nicht nur Harry Beckwith in seinem Marketing-Klassiker „The Invisible Touch“ weiß dass Kunden immer anspruchsvoller werden und keine Lust haben selber zusammen zu reimen was denn das alles soll, kostet oder bringt. Sennheiser ist da noch die rühmliche Ausnahme, nicht nur mit der Zelebrierung des jenseitig gepreisten „Orpheus“. Vielleicht war es aber auch nur die nostalgische Trauer anlässlich des erst kürzlich verlautbarten Begräbnisses von AKG nächstes Jahr, dessen Verlust auch nach der Übernahme des „Automotive-Herstellers“ Harmann durch Samsung kaum geschmälert werden wird. Vielleicht sind ja die Koreaner nicht so borniert wie „Not Invented Here“-Harmann.

The Good – oder wie uns die Schnitzel vom Teller fetzen.

Supersonic

Super SuperSonic

Nun zu den – natürlich rein subjektiven – Eindrücken einzelner Zimmer. Technics is back , nach fulminantem Wiedereinstieg in der obersten Preisrange nunmehr auch leistbar und musikalisch wie nie zuvor. Auch wenn ich mir persönlich eher einen Portable DAC gewünscht hätte statt des wiedergeborenen Plattenspielers, der Wiedereinstieg ist schon jetzt als gelungen zu bezeichnen. 

Suesskind Lautsprecher

Suesskind – Viel mehr Sound als man meint

Diesmaliger Höhepunkt in Sachen Präsentation und Manufaktur waren aber die netten Leute von Supersonic. Richard Sbüll und sein Team machen aus alt neu , refurbishen alte Radios mit neuer Farbe , wenn es sein soll zeitgemäßen Innereien um so den Heritage Look zu moderner Usability zu verhelfen. Das Ganze mit sorgfältiger Musikauswahl und bezaubernd gestylten Damen die selbst Marty McFly zurück aus der Zukunft geholt hätten. Große Klasse.
Klein war diesmal besonders fein. Der ultrakompakte Phänomen Lautsprecher von Suesskind fetzt trotz geringen Abmessungen in einer Qualität die schlicht atemberaubend ist. Das Klangstudio Trauner sorgte für perfekte Präsentation, auch nach 3 anstrengenden Tagen so freundlich wie andere nicht einmal in der ersten Stunde. In ÖO müsste man sein als Kunde.

Manger – Das sagt alles über die Qualität

Ebenfalls erstklassige Hörerlebnisse wurden bei Bernhard Mesicek von der Allegro Music& Wine Lounge geboten, wie gewohnt könnte man fast dazu sagen. Manger in unnachahmlicher Klarheit, getrieben von Lindemann in 1 Bit Technik, auch DSD genannt. Überraschenderweise war im Zimmer hinter dem bereits besprochenen Fehlversuch ( Naim Statement – Neat XL10) eine unglaublich positive Performance zu hören und sehen. Das winzige Paar IOTA Alpha von Neat ( Höhe 45 cm!) überzeugte durch Musikalität, Volumen und geradezu holografischer Abbildung. Wirklich ein Genuss, auch wenn der Living-Room-Acceptance Faktor nicht allzu hoch sein dürfte bei diesen Boxen, leider! Dass uns NAIM nach den überragenden Muso- und Qb-Beauties den Wunderregler auch auf neuen All-In-One Systemen liefert macht unser Börserl schon jetzt nervös.
Wie studiomässige Wiedergabequalität in nicht ganz stabile Wohnzimmerwände zu bringen ist, konnte man bei Avitech mit PMC bewundernd hören. Auch Bryston sieht nicht nur gut aus sondern wird seit Jahrzehnten immer besser. Präzision gepaart mit Musikalischem Grundton.
Wirklich angenehm in jeder Hinsicht war auch die REVOX Performance. Nicht allzu groß in den Abmessungen aber großartig in der Wiedergabe. All-In-One vom Feinsten, preislich aber leider eher auch sehr schweizerisch, wenn sogar NAIM nur halb so viel für ähnliches Equipment  haben will.

Raumakustik – die Urgesteinsschmiede in Sachen HiFi in Wien – konnte wie zumeist mit absolut preisgünstigen Angeboten zeigen dass HiFi erschwinglich und trotzdem sehr gut sein kann. Der Personalzuwachs mit weiteren Urgesteinen macht Hoffnung auf noch mehr in Zukunft.

Den Vogel in Sachen erschwinglich konnte aber PS-Technik abschießen diesmal, die mit einem Lautsprecher von SAXX um sage und schreibe 299.-. Euronen sehr vielen x-mal teureren Konkurrenten die Schamesröte ins Gesicht treiben konnten. Die Junior Box hat sogar einen Air Motion Transformer für die obere Klangetage zu bieten. Dass dahinter ein Receiver von NAD Anschub leistete hat natürlich mit dem Gesamtergebnis einiges zu tun. Aber auch inklusive dem Verstärker insgesamt preislich ein unglaublich tolles Paket.

WLM - State of the Art Musikwiedergabe aus Wien

WLM – schlicht ein Traum!

Der Gipfel der State of the Art wurde 2016 zweifelsohne bei WLM geboten, und zwar in JEDER möglichen Hinsicht. Traumhafte Lautsprecher, die den Vergleich mit den ganz großen Namen der Welt nicht zu scheuen brauchen, gepaart mit Elektronik der Marke „mühelos, musikalisch und mächtig“. Convenience durch eingebautes HighEnd Bluetooth Modul zum direkten Abspielen mitgebrachter Computerfiles oder Streaminglösungen . Eine Präsentation außergewöhnlicher Musikstücke mit genauen Angaben der Quelldaten und einer Bandbreite die jeden Wunsch zufrieden stellen konnte . Außer vielleicht HipHop; Beyonce und Drake haben mir gefehlt 😉 .

The FUNNY

Und last but not least noch was lustiges:
Dass die laufende Tonbandmaschine im Revox Zimmer nichts mit der aktuellen Wiedergabe zu tun hatte , entlockte nicht nur mir ein Lächeln. Wusste gar nicht dass Schweizer so schön trockenen Humor haben können.
Der Humor hört freilich dort auf wo zB die Vorzüge von Analogtechnik gepriesen werden, während man „Brothers in Arms“ von den Dire Straights spielt, die wahrscheinlich „digitalste“ Aufnahme schlechthin, die zu Beginn der CD Ära als permanente Demo überall gespielt wurde weil sie so klingt wie sie klingt – sehr transparent und knackig.

Was mir zu Hause angekommen brandheiss aufgefallen ist: Ich hab vergessen in den Keller zu gehen zu dem Autofreaks. Aber es gibt ja bald wieder Klangbilder zum nachholen , ein Jahr vergeht wie im Flug.